Unsauberes Geschäft mit Teppichreinigung

17.11.2015 • 21:36 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Der Kayseri-Teppich des Ehepaares und die überhöhte Rechnung, die es bezahlte. Foto: VN/Sohm
Der Kayseri-Teppich des Ehepaares und die überhöhte Rechnung, die es bezahlte. Foto: VN/Sohm

Für die Wäsche ihres „Kayseri-Carpets“ zahlte Bregenzer Ehepaar dreifachen Preis.

Bregenz. Herr K. (Name von der Redaktion geändert) fühlt sich über den Tisch gezogen. Oder vielmehr „über den Teppich“. Noch heute kommt merklich die blanke Wut in ihm hoch, wenn er an den 15. Oktober denkt. Damals klingelte bei ihm zu Hause das Telefon.

Seine Frau nahm ab, am anderen Ende der Strippe meldete sich eine freundliche Stimme. Ein Herr kündigte sich persönlich als Harry W. an. Er hätte ein Geschenk für das Ehepaar bei sich, sagte er. Es handle sich dabei um ein Präsent eines Unterländer Teppichhändlers, dessen Kunden sie seien.

Geschenk vergessen

Arglos öffneten die Eheleute die Wohnungstüre im dritten Stock. Der deutsche Herr trat ein, um sich zunächst zu entschuldigen: „Ach je, jetzt habe ich das Geschenk im Auto vergessen“, seufzte er. „Dann redete er viel bis ununterbrochen, sprach immer wieder von einer Tombola der Teppichfirma, deren
1. Preis ein Teppich im Wert von beinahe 20.000 Euro sei. Wir seien natürlich zu dieser Tombola eingeladen“, erinnert sich Herr K. gegenüber den VN, und: „Dabei sah er sich im Zimmer um und entdeckte unseren großen Teppich, der ein türkischer Kayseri sei – sehr wertvoll, so was bekomme man heute fast nicht mehr.“

Ein Carpet, das allerdings dringendst gereinigt werden müsse, gab sich der Deutsche plötzlich fachmännisch. Er wisse, wovon er spreche. Immerhin sei er schon seit 27 Jahren im Teppichreinigungsgeschäft.

Und offenbar mit allen Wassern gewaschen. Denn sofort gelang es Harry W., ein Geschäft anzubahnen. Die Reinigung dieses „Kayseri“ würde so an die 2300 Euro kosten. Er könne das in einer Woche erledigen.

„Meine Frau als Besitzerin war einverstanden, ein Vertrag wurde ausgefertigt“, sagt Herr K. Und schon wieder hätte Harry W. beinahe etwas ganz Wichtiges vergessen: Für die Reinigung müsse eine Vorauszahlung von mindestens 1000 Euro geleistet werden „Meine Bedenken darüber entschärfte er mit dem Vorzeigen seines Führerscheins und seiner Visitenkarte“, tut es K. noch heute leid. Denn seine Frau ging umgehend zur Bank und übergab dem augenscheinlich tüchtigen Geschäftsmann den Betrag.

Anzeige bei der Polizei

Nur drei Tage später stand Harry W. wieder mit dem gereinigten Teppich und einer Rechnung vor der Türe. „Insgesamt bezahlten wir 2.150 Euro. Dann war er weg und meine Zweifel wurden größer und größer. Ich konnte einfach nicht glauben, dass man so einen Teppich in drei Tagen waschen kann“, so Herr K. Der Bregenzer wollte Klarheit und wandte sich an die seriöse Unterländer Teppichfirma, deren zufriedener Kunde er war. Der Geschäftsführer stattete den Eheleuten einen Besuch ab – und war entsetzt. Der „Kayseri“ sei zwar von Harry W. in seiner Wäscherei gewaschen worden. Die Rechnung von etwa 700 Euro sei der Deutsche jedoch schuldig geblieben und er, der Teppichhändler, damit selbst zum Betrugsopfer geworden. Ebenso wie die Bregenzer, die den dreifach überhöhten Preis bezahlt hätten. Herr K. drohte Harry W. telefonisch mit der Polizei.

Der Deutsche kündigte abermals einen Besuch an, ließ sich jedoch nicht mehr blicken. Auch telefonisch war er nicht mehr erreichbar. K. zeigte die Angelegenheit bei der Polizeiinspektion Bregenz an. Wie die VN auf Nachfrage bei der Inspektion erfuhren, liege die Sachverhaltsdarstellung bereits bei der Staatsanwaltschaft in Feldkirch.