Vom Bruchteil zur Modellregion

17.11.2015 • 18:47 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Die Reform pünktlich präsentiert: Bildungsministerin Heinisch-Hosek und Staatssekretär Mahrer. Foto: APA
Die Reform pünktlich präsentiert: Bildungsministerin Heinisch-Hosek und Staatssekretär Mahrer. Foto: APA

Bildungsreform: Kleiner Kompromiss zur gemeinsamen Schule, mehr Autonomie.

Wien. Das Bildungsreformkonzept ist beschlossen. Am Dienstag passierte es den Ministerrat. Die gesetzlichen Voraussetzungen sollen bis Ende Juni 2016 geschaffen werden. Es geht unter anderem um die Stärkung der Kindergärten, mehr Autonomie für die Schulstandorte und einen kleinen Kompromiss zur Gemeinsamen Schule.

Während die Bildungssprecher von SPÖ und ÖVP das Konzept positiv beurteilen, erntet es von der Opposition Kritik von „Scheinaktivitäten“ (FPÖ) über „die Knebelung der Bundesländer Wien und Vorarlberg“ bei der Einführung einer Modellregion der Gemeinsamen Schule (Grüne) bis hin zu einem „typisch österreichischen Kompromiss der Mutlosigkeit“ (Neos) und „Etikettenschwindel“ (Team Stronach).

Ein kurzer Überblick

Das Konzept, das Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (53, SPÖ) und Staatssekretär Harald Mahrer (42, ÖVP) am Freitag vorstellten, besteht aus sechs Punkten.

Elementarpädagogikpaket. Ein Bildungskompass, vergleichbar mit dem Mutter-Kind-Pass, soll für alle Kinder ab 3,5 Jahren eingeführt werden. Sprach- und Entwicklungsstand werden künftig geprüft. Ein zweites verpflichtendes Kindergartenjahr, für jene, die es brauchen, kommt.

Volksschulpaket. Der Bildungskompass gibt Auskunft über die Entwicklungen der Kinder im Kindergarten. Die Daten sollen über Entwicklungen, Stärken, Schwächen und Fördermöglichkeiten Auskunft geben. Kindergartenpädagogen und Lehrer sollen enger zusammenarbeiten.

Autonomiepaket. Schulautonome Schwerpunktsetzungen werden möglich. Schulen können ihre Öffnungszeiten bestimmen. Direktorenstellen werden auf fünf Jahre befristet. Die Personalauswahl erfolgt durch die Schulleitung im Einvernehmen mit der Schulbehörde.

Modellregionpaket. Eine Modellregion darf nicht mehr als 15 Prozent aller Standorte bzw. 15 Prozent aller Schüler in einem Bundesland umfassen. Eine solche „Region“ muss vom Land vorgeschlagen und vom Ministerium genehmigt werden. 2025 wird sie erstmals evaluiert.

Schulorganisationspaket. Bildungsdirektionen sollen geschaffen werden. Sie sollen Bundes- und Landeslehrer verwalten. Der Landeshauptmann oder die zuständige Landesrätin kann die Präsidentin werden. Der Bildungsdirektor wird auf deren Wunsch dem Ministerium vorgeschlagen. Die Verrechnung aller Lehrer erfolgt über das Bundesrechenzentrum.

Bildungsinnovationspaket. Bis 2020 soll in allen Schulen Breitbandinternet zur Verfügung stehen. Eine Bildungsstiftung soll spezifische Projekte von Schulstandorten ermöglichen.