Nach dem Kiffen bei der Behörde verpfiffen

Vorarlberg / 18.11.2015 • 22:46 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Neben der von Cannabis wollte die Beschuldigte auch die Einnahme von „weißen Substanzen“ (Speed) beobachtet haben. Foto: Symbol
Neben der von Cannabis wollte die Beschuldigte auch die Einnahme von „weißen Substanzen“ (Speed) beobachtet haben. Foto: Symbol

Ihre Anzeige per E-Mail brachte 19-Jährige selbst auf die Anklagebank.

Dornbirn. (VN-gs) Irgendwann drehte die unliebsame Bekannte der jungen Frau den Arm um und komplimentierte sie mit „Hau ab!“ nach draußen. Nach der Überzeugung der 19-Jährigen eine aggressive Handlung, für die es nur eine Erklärung geben konnte: Ihre Kontrahentin hatte die illegale Droge „Speed“ konsumiert.

Mochte es nun ein Akt der Vergeltung oder wohlmeinend im prophylaktischen Sinne gewesen sein, jedenfalls schickte das „Opfer“ der Bezirkshauptmannschaft ein E-Mail mit etwa folgendem Inhalt: Bei ihrer aggressiven 18-jährigen Bekannten würden „täglich Dutzende Freunde Cannabis kiffen und weiße Substanzen einnehmen“. Sie selbst würde es deshalb für sinnvoll erachten, die abhängige 18-Jährige einem Drogentest zu unterziehen und entsprechend ärztlich behandeln zu lassen.

Ein E-Mail mit Folgen. Tatsächlich wurde die bezichtigte Frau bereits am nächsten Tag von der Behörde vorgeladen.

Doch weder der Drogentest bei der Bezirkshauptmannschaft noch bei der Polizei verlief positiv – für die Anzeigerin selbst allerdings ein negatives Ergebnis: Denn ihr flatterte bald darauf ein Brief mit einer Vorladung vom Bezirksgericht Dornbirn ins Haus. Inhalt: eine Anklage wegen Verleumdung.

„Etwas übertrieben“

Vor Richter Werner Feurstein bekennt sie sich nicht schuldig. Die Behauptung von „täglich Dutzenden kiffenden Freunden“ möge ja etwas übertrieben gewesen sein. Aber konsumiert sei dennoch worden. Dem Argument des negativen Drogentests setzt sie nun beinahe fachmännisches Wissen entgegen: „Sollte ich wegen Verleumdung verurteilt werden, ersuche ich darum, bei der Frau einen Haartest vorzunehmen. Substanzen wie Speed sind in den Haaren nämlich ständig nachweisbar.“

Ausgerechnet die von ihr belastete 18-Jährige ist es nun, deren Zeugenaussage die Anklage entkräftet. Denn sie gibt bei ihrer Einvernahme zu, Cannabis und Speed „doch schon einmal probiert“ zu haben. Zwar nicht in dem von der Beschuldigten behaupteten Ausmaß, aber dennoch.

Für Richter Feuerstein hat sich in diesem Verfahren schließlich herausgestellt, dass es sich hier um keine konkrete Verleumdung, die eine Verfolgung von Personen nach sich zieht, handelte.

Die 19-Jährige darf deshalb mit einem Freispruch nach Hause gehen.

Substanzen wie Speed sind in Haaren ständig nachweisbar.

Die Beschuldigte