Drei Jahre Gefängnis für Messerstecher von Hard

19.11.2015 • 21:35 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Im April am Tatort in Hard: Bei der Erstversorgung des Opfers der Bluttat zählte jede Minute. Foto: vol.at/Vlach
Im April am Tatort in Hard: Bei der Erstversorgung des Opfers der Bluttat zählte jede Minute. Foto: vol.at/Vlach

Geschworene waren der Ansicht, dass der Angeklagte das Opfer nicht töten wollte.

Christiane Eckert

Feldkirch. Mitte April kam es in Hard zu einer blutigen Auseinandersetzung zwischen einem 57-jährigen Russen und seinem 37-jährigen Arbeitskollegen. Dabei stieß der Ältere dem Landsmann zwei Mal ein Messer in den Oberkörper und einmal in den Oberschenkel. Nur dem raschen Eintreffen des Notarztes war es zu verdanken, dass der Verletzte überlebte. „Der Mann verlor viel Blut, die Lunge kollabierte“, so der Sachverständige Walter Rabl. Zum Glück wurden keine inneren Organe verletzt; so konnte das Opfer nach wenigen Tagen das Spital verlassen.

Unbescholtener Bürger

Der Angeklagte kam 2004 nach Österreich, ihm wurde Asyl gewährt, er ist verheiratet, hat sechs Kinder und mehrere Enkel. „Bislang war er unbescholten, hatte einen Arbeitsplatz und geriet nie mit dem Strafgesetz in Konflikt“, betont Verteidigerin Olivia Lerch. Das Opfer ist ein Arbeitskollege des Angeklagten, beide arbeiteten für einen Zustelldienst. Inhaltlich ging es bei der Meinungsverschiedenheit um eine Kleinigkeit im Zusammenhang mit der Beschädigung eines Firmenwagens. Deshalb wollte der heute 58-Jährige damals den Kollegen treffen. Der habe sich respektlos verhalten, beide Männer ohrfeigten sich, dann zückte der Angeklagte ein Klappmesser und stach zu. Zeugen berichten von blutrünstigen Drohungen wie „Bleib liegen, sonst bring ich dich um“. Der Messerstecher floh, das blutüberströmte Opfer blieb zurück.

Lange Geschichte

Der schmächtig wirkende Angeklagte erzählt von seinem Einsatz im Tschetschenienkrieg, seinen Verletzungen, er holt aus, wie dankbar er Österreich sei und beteuert, dass er nie jemanden töten wollte. „Ich höre schon, es geht hier mehr um Selbstmitleid als um Mitleid mit dem Opfer“, kürzt der Vorsitzende Richter Norbert Melter die Ausführungen ab. Das Schwurgericht entscheidet sich schlussendlich mit fünf von acht Stimmen für absichtlich schwere Körperverletzung und somit gegen Mordversuch. Weil der Mann Zeugen mit dem Umbringen drohte, falls sie die Polizei rufen sollten, kam noch eine versuchte schwere Nötigung dazu. Die Strafe: drei Jahre unbedingte Haft. 5000 Euro wurden bereits an das Opfer bezahlt und auch die Krankenkasse hat noch über 9000 Euro Forderungen. Das Urteil ist nicht rechtskräftig. Erleichterung beim Verurteilten und Freude im Gesicht von Verteidigerin Olivia Lerch. „Ich werde mich für diese Entscheidung erkenntlich zeigen und bedanke mich für das Vertrauen“, meinte der Verurteilte abschließend.