Zahl der HIV-Infektionen im Land nimmt wieder zu

19.11.2015 • 19:12 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Durch Information sollen mehr Menschen ermutigt werden, sich auf HIV oder Hepatitis testen zu lassen. Foto: apa
Durch Information sollen mehr Menschen ermutigt werden, sich auf HIV oder Hepatitis testen zu lassen. Foto: apa

Heuer schon 13 Neu­erkrankungen. Aids­hilfe bemängelt fehlende Aufmerksamkeit.

Bregenz. (VN-mm) Trotz intensiver Aufklärungsbemühungen durch die Aidshilfe nehmen die HIV-Infektionen in Vorarlberg wieder zu. Heuer wurden bereits 13 Personen positiv auf das HI-Virus getestet. „Damit liegen wir deutlich über den Zahlen der vergangenen Jahre“, teilte Aidshilfe-Leiterin Renate Fleisch am Donnerstag im Rahmen der Präsentation des Winterreports mit.

Budget gesichert

Ein bisschen erfreulicher gestaltet sich nach den vom Bund vorgenommenen Kürzungen die finanzielle Entwicklung. Für 2016 ist das Budget laut Fleisch gesichert. Die Hälfte der gestrichenen Bundesförderung übernimmt das Land. Doch die Aidshilfe möchte sichere Strukturen, weshalb das Konzept überarbeitet und im Jänner nochmals das Gespräch mit Land und Bund gesucht wird.

Zwang zur Geheimhaltung

Die Veröffentlichung des Winterreports erfolgt alljährlich im Vorfeld des Welt-Aids-Tages, der seit 1988 am 1. Dezember im Kalender steht. Es handelt sich um den wichtigsten Aktions- und Gedenktag zu HIV und Aids. Zweck ist es, für die nach wie vor unheilbare Erkrankung zu sensibilisieren, gegen Stigmatisierung aufzutreten und Solidarität mit Betroffenen zu zeigen, denn die lässt nach wie vor zu wünschen übrig. Geeigneter Wohnraum für HIV-Infizierte und Aidskranke ist schwer zu finden. Jüngeren Betroffenen bleibt oft nur das Pflegeheim. Viele, die einen Job haben, verschweigen ihre Infektion häufig aus Angst vor Arbeitsplatzverlust und Ausgrenzung. „Dieser Zwang zur Geheimhaltung beeinträchtigt die Lebensqualität enorm“, berichtet Renate Fleisch.

Auch die traditionelle Aidsgala findet nach Meinung ihres Organisators, Wolfgang Pevestorf, in der Öffentlichkeit zu wenig Aufmerksamkeit, wobei er besonders das Fernbleiben politischer Vertreter bemängelte. „Nur wenige stehen zu diesem Thema“, bestätigte Fleisch. So hat die Aidshilfe Vorarlberg das geringste Spendenaufkommen aller Bundesländer. Und für das Ankündigungsplakat der Aids-Gala, die am 3. Dezember ab 19 Uhr im Theater Kosmos stattfindet, war nicht einmal mehr auf einer der Bregenzer Litfasssäulen Platz.

Trotzdem wird mit vollem Einsatz weitergearbeitet. Unter anderem beteiligt sich die Aidshilfe vom 20. bis 27. November an der dritten europäischen HIV-Hepatitis-Testwoche.

Kostenfreie Schnelltests

In dieser Zeit sind die Schnelltests, für die sonst 30 Euro zu bezahlen sind, kostenfrei. Am 30. November werden wieder Infomaterial und Kondome in den schwerpunktmäßig von Schülern frequentierten Zügen verteilt. Am 4. Dezember ist die Aidshilfe mit einem Infostand beim Nikolausmarkt in Bregenz vertreten. Derzeit werden 128 Personen von der Aidshilfe betreut. Der Großteil von ihnen ist heterosexuell. Die Hauptursache für Neuinfektionen stellt nach wie vor ungeschützter Geschlechtsverkehr dar. Für ihre Tätigkeiten steht der Aidshilfe im nächsten Jahr ein Budget von 295.000 Euro zur Verfügung. Auf Feierlichkeiten zum 30-Jahr-Jubiläum wird aufgrund der Kürzungen allerdings verzichtet, das Geld stattdessen in Aktivitäten zur Bewusstseinsbildung investiert.

Durch Information sollen mehr Menschen ermutigt werden, sich auf HIV oder Hepatitis testen zu lassen. Foto: apa
Durch Information sollen mehr Menschen ermutigt werden, sich auf HIV oder Hepatitis testen zu lassen. Foto: apa