15.000 Rinder müssen zum Tuberkulose-Test

20.11.2015 • 17:51 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Tierärzte im ganzen Land starten in den nächsten Tagen mit TBC-Untersuchungen. Gesamt werden 15.000 Tiere getestet. Foto: Ludwig Berchtold
Tierärzte im ganzen Land starten in den nächsten Tagen mit TBC-Untersuchungen. Gesamt werden 15.000 Tiere getestet. Foto: Ludwig Berchtold

Rinder-Tuberkulose: In Vorarlberg starten die risikobasierten Untersuchungen.

bregenz. Das Warten hat ein Ende. Seit zwei Monaten ist das Alpvieh wieder im Tal. Untersuchungen sollen jetzt zeigen, ob sich Rinder mit dem TBC-Erreger angesteckt haben. Als Überträger der Tierseuche gilt Rotwild. Im Vorjahr hatte der Bund flächendeckende Tests des gesamten Rinderbestands im Land angeordnet, um Klarheit über das Ausmaß der Verbreitung von TBC zu bekommen. 52.000 Tiere wurden untersucht. Fünf positive Beprobungen in vier Viehbeständen wurden dokumentiert. Es wurde Schlimmeres befürchtet. „Das Ausmaß war nicht so dramatisch, wie erwartet“, sagt Landesveterinär Norbert Greber (51). Deshalb habe man heuer auf eine risikobasierte Untersuchung umgestellt. „Tests werden gezielt bei Tieren durchgeführt, die mit Wild Kontakt haben konnten“, so Greber weiter. Der Fokus liege ganz auf jenen Gebieten, die als gefährdet eingestuft wurden. Zum TBC-Test müssen demnach rund 15.000 Tiere im Land.

Tests bis Anfang März

Betroffen sind laut Landesveterinär die Gemeinden im Klostertal, Silbertal und Bartholomäberg, Warth und Orten im Kleinwalsertal wegen der Nähe zu Deutschland. Dazu kommen noch Alpvieh in den TBC-Risikogebieten und Tiere, die im Allgäu gesömmert wurden. Dort würden die Behörden für den nächsten Alpsommer entsprechende Testergebnisse verlangen. Durchgeführt werden die TBC-Tests von Tierärzten in den betroffenen Regionen. Durch die warme Witterung seien Tiere bis zuletzt im Freien gewesen. Deshalb starte man heuer etwas später, sagt Greber. In den nächsten Tagen würden die ersten Untersuchungen durchgeführt. Die meisten Tests sind für Jänner und Februar geplant. Bei positiven Ergebnissen müssen Tiere diagnostisch getötet werden. Dann sind Amtstierärzte am Zug. Milch darf nicht mehr verkauft werden. Ein Schreckensszenario für jeden bäuerlichen Betrieb.

Situation stabil

Noch lässt sich nicht abschätzen, ob die Tierseuche eingedämmt werden konnte. Um eine weitere Verbreitung durch Rotwild zu verhindern, wurde in den TBC-Kerngebieten jedenfalls der Wildbestand drastisch reduziert. Erlegtes Rotwild wird wie auch schon im Vorjahr auf TBC untersucht. Damals waren im ganzen Land 65 von 523 Tieren TBC-positiv. 80 Prozent der kranken Tiere stammten aus den definierten TBC-Gefahrengebieten. Aktuell entwickeln sich die Zahlen sehr ähnlich, lässt Landesveterinär Greber wissen. Im Kerngebiet, das zehn Jagdreviere umfasse, sei die Prävalenz leicht über dem Niveau des Vorjahres. In den Rand- und Beobachtungsgebieten könne man indes keine Steigerungen feststellen. Die Tierseuche scheint also weiter lokal begrenzt aufzutreten.

Keine Entwarnung, aber zumindest eine Stabilisierung der Situation, bewertet Greber die jüngsten Entwicklungen.

Es gibt keine Entwarnung, aber die Situation ist stabil.

Norbert Greber, Landesveterinär

Stichwort

Rinder-TBC. Die Infektionskrankheit Rinder-Tuberkulose wird durch das Bakterium „Mycobacterium bovis“ verursacht. Von Rind zu Rind kann es durch Einatmen oder ausgehustete Tröpfchen übertragen werden. Eine Übertragung auf den Menschen ist höchst unwahrscheinlich, aber nicht ausgeschlossen. Das größte Risiko geht von erregerhaltiger Rohmilch aus.