Alkoholisierter Mann tobt im Rettungswagen

20.11.2015 • 21:29 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Im Patientenraum des Notarztwagens fühlte sich der Betrunkene so gar nicht wohl, er begann zu toben. Symbolfoto: VN
Im Patientenraum des Notarztwagens fühlte sich der Betrunkene so gar nicht wohl, er begann zu toben. Symbolfoto: VN

Rotkreuz-Mitarbeiter mussten sich vor rabiatem Patienten selbst retten.

Bregenz. Bisher „zieren“ zwölf einschlägige Vorstrafen wegen Sachbeschädigung das Vorstrafenregister des 47-jährigen Unterländers. Der Vollpensionist mag ganz offensichtlich keine Sachen und Dinge und schlägt sie gerne mal kurz und klein.

Dann der Alkohol. Er lässt ihm nur bleibende Erinnerungsfetzen über jene Ausraster, die ihn ständig in den Konflikt mit dem Gesetz bringen. So auch im vergangenen Sommer, als ihn ein Rotkreuz-Mitarbeiter und ein Zivildiener „bei der Post aufsammelten“, wie ihm der Bregenzer Bezirksrichter Christian Röthlin bei der Verhandlung in Erinnerung ruft. Er war auf der Straße gelegen, so leblos wie eine Leiche.

Im Rettungsauto getobt

Ein Retter schildert als Zeuge: „Wie immer in solchen Fällen legten wir ihn auf die Bahre und schnallten ihn an.“ Doch plötzlich, er war bereits im Rettungsauto, verwandelte sich die Alkoholleiche auf wundersame Weise in einen tollwütigen „Lazarus“. Er riss die Schnallen von sich, tobte und hämmerte mit den Fäusten gegen Kästen und Instrumente im Patientenraum. Dem Zivildiener schlug er auf den Rücken. Dann stürmte er aus dem Rettungsauto und stieß Drohungen gegen die Helfer aus. „Und bloß keine Polizei rufen!“, fiel da unter anderem.

Die beiden Männer verschlossen die Türen und verschanzten sich buchstäblich. „Wir hatten Angst! Er schrie und trat mit dem Fuß gegen die Stoßstange! Dann ging er weg“, sagt ein Zeuge. Als sie glaubten, die Luft sei rein, wagten sie sich aus dem Notarztwagen. Doch nur, um erneut zum Angriffsziel des Rabauken zu werden. „Ich sagte dem Zivildiener, er solle sich nochmals im Wagen einsperren, dann lief ich davon und alarmierte die Polizei“, fährt der Helfer fort.

„Wollte nur nach Hause“

Unter anderem wegen versuchter Sachbeschädigung angeklagt, versucht der 47-jährige Beschuldigte vor dem Richter zu relativieren. Ja, grundsätzlich sei er zwar schuldig, aber: „Ich wollte niemanden verletzen oder ihm wehtun. Ich bin kein Schläger und nix“, bereut er. Er hätte nur nach Hause wollen.

Inzwischen sei der Pensionist ruhig geworden, geläutert von Alkoholmissbrauch und Zerstörungswut. „Seit September keinen Schluck mehr!“, beteuert er. „Ich habe alle Auflagen erfüllt. Ich fahre viel Rad, helfe den Eltern bei der Gartenarbeit und mache mich bei Pfarrämtern nützlich“, beschreibt er seinen vorbildlichen Lebenswandel. Es musste im Notarztwagen nichts repariert werden, und auch der geschlagene Zivildiener stellt keine Ansprüche. Der Beschuldigte kommt deshalb noch einmal mit einer Geldstrafe von hundert Tagessätzen zu je vier Euro davon.