In Vorarlberg breite Front gegen die Bildungsreform

22.11.2015 • 18:21 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

ÖVP-Klubobmann Roland Frühstück (57) hingegen findet Kritik an Landeshauptmann Wallner „tragisch“.

Schwarzach. (VN-hk) Die Kritik an der von der Bundesregierung beschlossenen Bildungsreform wird in Vorarlberg immer breiter. Jüngste Artikulation in diese Richtung: Der freiheitliche Bildungssprecher Christoph Waibel (51) hat eine Anfrage an Schullandesrätin Bernadette Mennel (56) gerichtet. Darin will Waibel unter anderem wissen, warum Vorarlberg, und im Speziellen Landeshauptmann Markus Wallner (48), nicht in der Bildungsreformkommission mitgewirkt habe. Auch will Waibel wissen, was Mennel und Wallner zu tun gedenken, um die Ergebnisse des Forschungsprojekts trotzdem noch umzusetzen.

Kein gutes Haar

Kein gutes Haar am Papier lässt auch die ARGE Gemeinsame Schule, in der sich 24 Vereine und Initiativen zusammengeschlossen haben. Man gebe der „Missgeburt“ Schulverwaltung durch die geplante Etablierung von Bund-Länder-Behörden mit der Bezeichnung Bildungsdirektion nur einen neuen Namen, sagt ARGE-Sprecher Peter Fischer (62). Eine „unglaubliche Provokation und Desavouierung aller Reformwilligen“ ist für ihn der Vorschlag bezüglich Einführung einer Modellregion für nur 15 Prozent aller Schüler in einem Bundesland. „Allen wissenschaftlichen Erkenntnissen zum Trotz dürfen damit nur ein paar Schulen pro Bundesland diese gemeinsame Schule ausprobieren.“ Den einzigen positiven Ansatz im Papier sieht Fischer bei den geplanten Initiativen im Elementarbereich.

In Teilbereichen in eine richtige Richtung geht es für den Präsidenten der Vorarlberger Industriellenvereinigung, Martin Ohneberg (44). „Lächerlich“ findet Ohneberg jedoch den Kompromiss in Sachen Modellregion. „Wir müssen als Vorarlberg geschlossen im Gesetzgebungsprozess auftreten und die notwendigen Änderungen einfordern“, verlangt Ohneberg.

„Ein Marathon“

„Es ist eigentlich tragisch, wenn ein Landeshauptmann dafür kritisiert wird, dass er bei einem Jahrhundertprojekt wie der Bildungsreform beim ersten Gegenwind den Kopf nicht gleich in den Sand steckt, sondern besonnen darauf verweist, dass wir auf Bundesebene eben einen langen Atem brauchen“, findet ÖVP-Klubobmann Frühstück.

Für den Bildungssprecher der Schwarzen im Landtag ist die umfassende Reform der Sekundarstufe kein 100-Meter-Lauf, „sondern ein Marathon mit ständigem Gegenwind. Ich erinnere daran, dass die Bildungsreform der Bundesregierung noch nicht einmal den Nationalrat erreicht hat.“

Doppelzüngig ist für Frühstück die Reaktion der Ländle-SPÖ. Sie stelle die ressortzuständige Ministerin und sei mit dem Wiener Bürgermeister Häupl prominent im Verhandlungsteam vertreten.