1700 Euro Kosten für zwei verschlampte DVD

Vorarlberg / 23.11.2015 • 22:09 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Videothek wurde für einen Kunden zur Kostenfalle. Symbolbild
Videothek wurde für einen Kunden zur Kostenfalle. Symbolbild

22-Jähriger muss für vergessene Rückgabe an Videothek tief in die Tasche greifen.

Bregenz. Dumpingpreise auf den Schaufenstern der Videotheken werben immer öfter für das „Kino zu Hause“. So ist schon manche DVD oder Blue-Ray-Disc für eine Ausleihgebühr von nur mehr einem Euro zu haben. Dass damit aber gleichzeitig ein geschäftlicher Vertrag mit gar nicht so trivialen gesetzlichen Regelungen abgeschlossen wird, mag einzelnen Kunden auf den ersten Blick nicht bewusst sein.

Teure Vergesslichkeit

Wer auf die Rückgabe eines „Silberlings“ vergisst, muss mit einer Kostenexplosion mit Multiplikationsfaktor rechnen und im schlimmsten Fall auch noch mit strafrechtlichen Konsequenzen, wovon ein 22-jähriger Vorarlberger neuerdings ein trauriges Lied singen kann. Im Juli des vergangenen Sommers lieh er sich in einer Unterländer Videothek zwei DVD aus. Er verpasste den Rückgabetermin, Erinnerungen der Videothek schlug er in den Wind.

Der Rattenschwanz an Folgen: eine gerichtliche Verurteilung zu 1200 Euro Geldstrafe wegen Veruntreuung. Dann die Rechtsanwaltskosten und die inzwischen angewachsene, immer noch offene Leihgebühr, in Summe mindestens weitere 460 Euro. Insgesamt also an die 1700 Euro Kosten, das Ganze nun auch noch garniert mit einer gerichtlichen Vorstrafe.

Kind mit Hirntumor

Als Beschuldigter vor dem Bregenzer Bezirksrichter Christian Röthlin schiebt der junge Mann gleich mehrere Gründe für seine Versäumnisse vor. „Nachdem ich die Filme ausgeliehen hatte, wurde bei einem meiner kleinen Kinder ein bösartiger Hirntumor diagnostiziert. Das lenkte meine Gedanken in eine andere Richtung.“ Dann sei auch noch ein Wohnungswechsel erfolgt, wobei er die beiden DVD irgendwo verlegt habe. Und schließlich habe die betroffene Videothek während dieser Zeit auch noch für immer ihre Pforten geschlossen. „Ich ging extra hin, um die offene Rechnung zu bezahlen. Doch da war der Laden schon dicht“, sagt der 22-Jährige.

Die ehemalige Inhaberin der Videothek betont als Zeugin, in solchen Fällen grundsätzlich kulant gewesen zu sein: „Wir versuchten solche Kunden nach einer Woche Versäumnisfrist telefonisch zu erreichen.“

Erst als die weiteren Versuche nichts fruchteten und mehrere Wochen verstrichen waren, sei schließlich ein Rechtsanwalt konsultiert worden, der die säumigen Kunden zu kontaktieren versuchte.

Doch auch das blieb im konkreten Fall ein erfolgloses Unterfangen. Richter Röthlin sieht im Verhalten des jungen Beschuldigten zumindest einen bedingten Vorsatz der Veruntreuung erfüllt und fällt die entsprechende, doch nicht gerade milde erscheinende Entscheidung. Was der aus früheren Verfahren bereits zwei Mal vorbestrafte Verurteilte verblüfft mit den Worten quittiert: „Zusätzlich 1200 Euro Geldstrafe? Nur wegen zwei verschlampten DVD? Ich kenne mich da nicht aus, aber ich finde das schon etwas viel.“