Ein Angriff ist Richard Amanns letzte Chance

Vorarlberg / 11.12.2015 • 22:27 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Elisabeth Märk (SPÖ) und Bernhard Amann (Emsige & Grüne) machen Wahlkampf für den Bürgermeister. Foto: VN/Paulitsch
Elisabeth Märk (SPÖ) und Bernhard Amann (Emsige & Grüne) machen Wahlkampf für den Bürgermeister. Foto: VN/Paulitsch

Polarisierung im Wahlkampf kommt sehr spät. Es ist die einzige Chance für Amann.

Hohenems. Bernhard Amann ist kein Diplomat. Selten um ein Wort verlegen, mit einem angriffigen Vokabular ausgestattet. Wie es aussieht, wenn der Hohenemser Vizebürgermeister seinen Wortschatz auf Angriff schaltet, war am Freitag bei einer Pressekonferenz im Hohenemser Schiffle zu hören. Zusammen mit Elisabeth Märk von der SPÖ springt er Bürgermeister Richard Amann zur Seite, denn dieser droht im Nichtwahlkampf unterzugehen.

Rückblick: Kaum verkündete Dieter Egger seine Kandidatur für den Hohenemser Bürgermeisterposten, formierte sich Widerstand. Vor der Stichwahl spitzte sich der Wahlkampf zu. Bürgermeister Amann plakatierte gegen die FPÖ, ein Bündnis mit dem Titel „Plattform gegen Antisemitismus und Rechtsextremismus Vorarlberg“ wurde ins Leben gerufen. Ziel: Egger als Bürgermeister verhindern. Der Vorarlberger FPÖ-Chef schwor seine Anhänger auf die Opferrolle ein. Am Ende war die Hohenemser Bevölkerung nicht mehr nur durch ein Bahngleis gespalten. Und mit einem Bürgermeister, dessen Sieg eine Abstimmung über Dieter Egger war. Ein Sieg, der rein formal keiner ist. Die Wahl wird wiederholt, alles auf Anfang.

Jetzt riefen die involvierten Parteien den Nichtwahlkampf aus. FPÖ und ÖVP hofften, die Hohenemser Bevölkerung dankt es mit einer Stimme – ein Irrtum. Wähler werden nicht durch Zurückhaltung mobilisiert. Im Gegenteil. Polarisierung bringt Emotionen, artikuliert einen Gegner, bringt damit Menschen zur Wahlurne. Eggers Kernwähler sind nach wie vor hoch emotionalisiert. Sie werden wieder wählen. Die Gegenseite verharrte in Lethargie. Bisher.

Nun also doch. Eine Woche vor der Wahl springen Bernhard Amann und Elisabeth Märk für den Bürgermeister in den Ring. Sie geben eine Wahlempfehlung ab und bedienen sich des Wahlkampfrepertoires jahrzehntelanger Politikerfahrung: Kritik an der Arbeit („Egger hat nicht das Gespräch gesucht, sondern Wahlkampf betrieben“), persönlicher Angriff („Mit Lügen, Unwahrheiten öffentlich reagieren, herumjammern und sich ausgegrenzt fühlen …“), Vorwurf der Hetze („Dieter Egger bringt die Strache-Politik nach Hohenems“). Der Angriff wirkte. Zwei Stunden nach Ende der Pressekonferenz reagierte die FPÖ scharf. Titel der Aussendung: „Bernhard Amann spielt einmal mehr den ,Spaltpilz‘ in Hohen­ems.“ Er sei untergriffig und lüge.

Eine Woche vor der Wahl ist der Wahlkampf außerhalb der Hohenemser Briefkästen angekommen. Es ist Richard Amanns letzte Chance, die Gegen-Egger-Wähler zu seinen Gunsten zu mobilisieren. Sein Vize, Bernhard Amann, übt sich in Zweckoptimismus: „Die Chancen sind nicht groß, aber wir waren immer stark, wenn die Chancen nicht hoch waren.“ Ein letzter Versuch, das Ruder herumzureißen. Etwas spät.