Hüttenwirt mit Kochlöffel und Werkzeugkoffer

12.01.2016 • 10:15 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Hüttenwirt Christian Beck (49) mit Sohn Alexander (24) auf der Totalphütte. Zudem arbeiten auch Ehefrau Sabine und Tochter Angelina (23) mit. Gemeinsam bewirtschaftet die Familie auch die Palüdhütte im Skigebiet Brand.  Foto: VN/Gasser
Hüttenwirt Christian Beck (49) mit Sohn Alexander (24) auf der Totalphütte. Zudem arbeiten auch Ehefrau Sabine und Tochter Angelina (23) mit. Gemeinsam bewirtschaftet die Familie auch die Palüdhütte im Skigebiet Brand.
Foto: VN/Gasser

Diplom-Hotelier lenkt seit heuer die Geschicke der Totalphütte am Fuße der Schesaplana.

Brand. Die Totalphütte hat einen neuen Wirt. Auf 2385 Metern kümmert sich seit heuer Christian Beck (49) gemeinsam mit seiner Familie um das Wohl der Gäste. Neuland betreten die Becks dennoch keines. Seit sechs Jahren bewirtschaften sie die Palüdhütte im Skigebiet Brand. Vergleichen könne man das aber dennoch nicht. „Wir haben hier ganz andere Gäste“, erklärt der Hüttenwirt. Beck spricht von einer positiven Überraschung. Die Hüttengäste seien gemütlich und auch bescheiden.

Die Entscheidung hat die ganze Familie getroffen. Alle packen auch kräftig mit an. Abwechselnd sind sie auf beiden Hütten anzutreffen. „Intensiv, aber schön regelmäßig über den Tag verteilt“ sei die Arbeit auf der Alpenvereinshütte. Unterstützt wird die Wirtefamilie von bis zu sieben Hilfen in Küche und Service. Sie hätten sich gut eingelebt. Es wird wohl ein längeres Engagement.

Christian Beck kommt auf der Hütte seine Vielseitigkeit zugute. Einst Küchenchef im elterlichen Hotel in Brand, rührt er am Hüttenherd den Kochlöffel. Und wenn eine Leitung verstopft ist, rückt er mit dem Werkzeugkoffer aus. Auf so einer Berghütte müsse man Gastronom und Handwerker gleichzeitig sein. Und wenn man auch noch Hotelier ist, dann ist das sicher auch kein Nachteil. Mit rund 3500 Nächtigungsgästen rechnet Beck in dieser Saison. Dass er auch hier sattelfest ist, zweifelt niemand an. Schließlich hat der 49-Jährige ein Hotel-Diplom.

Die erste Hütten-Saison nutzen die Becks, um das Geschäft und die Gästebedürfnisse besser kennenzulernen. „Man muss auf die Gäste eingehen und schauen, welche Wünsche sie haben.“ So definiere sich für ihn auch der Qualitätsanspruch. „Es macht keinen Sinn hier Kaviar und Lachs zu servieren. Aber die ein oder andere Überraschung schadet sicher nicht“, erklärt der neue Pächter.

Kräftig investiert

Für die Totalphütte bedeutet das gewohnte Hüttenkost, frisch zubereitet mit regionalen Produkten. Dazu Schmankerl wie etwa Topfen-Lasagne. „Für die nächste Saison haben wir sicher noch Potenzial für einige Neuerungen.“

Kulinarisch sind die Ansprüche gestiegen. Auch sonst hat sich in Sachen Qualität einiges getan. Der heimische Alpenverein hat kräftig in die Totalphütte investiert. So wurden die Gaststuben um über 40 Sitzplätze erweitert. Auch was die Unterkünfte für Gäste, Mitarbeiter und die Pächterfamilie betrifft, habe sich vieles zum Besseren entwickelt. „Die Hütte ist in einem hervorragenden Zustand“, freut sich der neue Wirt.

Die erste Saison läuft jedenfalls ganz nach dem Geschmack der Pächter. Die Familie und das Team seien topmotiviert. Das spürt man. Beck hat die Entscheidung, Totalp-Wirt zu werden, bisher keine Minute bereut.

Ich bin sehr positiv überrascht. Die Gäste sind gemütlicher und auch bescheidener.

Christian Beck

Wander-Tipps

» Zustiege
Die Hütte ist gut erreichbar. Vom Lünersee (Bahn fährt von 8 bis 17 Uhr) dauert der Aufstieg knapp eineinhalb Stunden. Von Brand-Schattenlagant erreicht man die Hütte in etwa zweieinhalb Stunden.

» Berge und Touren
Der Hausberg ist die Schesaplana (2 Stunden). Weitere attraktive Berge sind der Saulakopf (3 1/2 Stunden), die Drusenfluh (4 Stunden), der Zirmenkopf (1 1/2 Stunden) oder die Kirchlispitzen (3 1/2 Stunden)

Was die Hüttenwirte erzählen . . .

Schönste Zeit auf der Hütte. „Der Morgen, wenn die Sonne aufgeht“, sagt Hüttenwirt Christian Beck begeistert. Dann versammeln sich auch bis zu 40 Schneehühner um die Totalp-hütte.

Spezialität auf der Speisekarte. Christian Beck legt großen Wert auf regionale Produkte. Die Karte bietet neben gewohnter Hausmannskost auch einige Schmankerl wie etwa „Topfen-Lasagne“.

Geschichte der Hütte. Die Totalphütte ist die jüngste aller Hütten des Vorarlberger Alpenvereins. Sie entstand aus einer Baubaracke der Illwerke. Die Eröffnung war im Juli 1965. 1989 wurde ein Neubau errichtet

Die Anfänge als Hüttenwirt. Die Familie Beck bewirtet seit sechs Jahren die Palüdhütte im Skigebiet Brand. Heuer ist die erste Saison auf der Totalphütte.

Lesen Sie den elften Serienteil in der Montagsausgabe: Emser-Hütte im Bregenzerwaldgebirge