Tiroler Bergführer nach Todeslawine vor Gericht

Vorarlberg / 19.02.2016 • 22:30 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
VN-Bericht vom 20. Jänner 2015
VN-Bericht vom 20. Jänner 2015

Freispruch. Abfahrt ist laut Richterspruch noch im vertretbaren Bereich gewesen.

Innsbruck, Zürs. Wegen des Vergehens der fahrlässigen Tötung unter besonders gefährlichen Verhältnissen musste sich gestern, Freitag, ein 33-jähriger Bergführer am Landesgericht Innsbruck verantworten. Bei einem Lawinenunglück am 19. Jänner 2015 waren zwei Mitglieder einer siebenköpfigen Gruppe aus Deutschland ums Leben gekommen. Die Gruppe wurde von dem ebenfalls aus Deutschland stammenden Bergführer geleitet.

Der staatlich geprüfte Berg- und Skiführer soll laut Staatsanwaltschaft unter Auslassung der Sorgfaltspflicht bei besonders gefährlichen Verhältnissen die Gruppe nur mit „Respektabständen“ in einen 40 Grad steilen Hang einfahren haben lassen. Der Beschuldigte war eine Variante nördlich der Valluga in Richtung Zürs gefahren. Als einer der Skifahrer in den Hang einfuhr, löste sich plötzlich die Lawine und riss vier Gruppenmitglieder in die Tiefe. Drei von ihnen wurden von den Schneemassen rund 800 Meter mitgerissen.

Zusätzlich zu den beiden Toten waren außerdem ein Schwer- sowie ein Leichtverletzter zu beklagen. Der angeklagte Bergführer meinte bei seiner Einvernahme, dass er die Gruppe zusammen abfahren ließ, da beim „Einzelfahren“ die Gefahr höher sei, dass jemand stürzt oder die Spur verlässt. Ein als Zeuge geladenes Gruppenmitglied, das bei dem Lawinenabgang schwer verletzt worden war, sagte, dass der 33-jährige Führer nur wenige Anweisungen gegeben habe. „Ich hatte bereits im Jahr zuvor an einer ähnlichen Tour am Arlberg teilgenommen, und damals waren die Anweisungen viel konkreter“, berichtete der Mann. Der Bergführer habe zwar „Respektabstände“ angeordnet, aber keine genaue Meteranzahl genannt.

„Sie haben eine Spur gewählt, die nachvollziehbar und sinnvoll ist“, begründete der Richter die Entscheidung. Trotzdem sei der Freispruch im Zweifel erfolgt. Das Urteil ist außerdem noch nicht rechtskräftig.