Schlaflose Nächte wegen eines großen Wildbachs

Vorarlberg / 16.03.2016 • 18:59 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Hochwasser 2005: Der Suggadin donnert am Haus der Schennachs (hinten rechts) vorbei.   Fotos: privat/Kuster
Hochwasser 2005: Der Suggadin donnert am Haus der Schennachs (hinten rechts) vorbei.   Fotos: privat/Kuster

Die Schennachs leben neben einem gefährlichen Wildbach. Das Ehepaar hofft, dass das Ufer bald verbaut wird.

St. Gallenkirch. (VN-kum) Mit dem Frühling kommt die Angst. Ilse Schennach (54) fürchtet sich vor der Schneeschmelze, denn dann schwillt der Suggadinbach gefährlich an. Im Sommer hat sie vor jedem Gewitter Angst. „Wenn der Himmel schwarz wird, werde ich nervös.“ Jedes Hochwasser bereitet ihr schlaflose Nächte. Ihr Haus steht neben einem der gefährlichsten Wildbäche Vorarlbergs.

Haus beinahe zerstört

Wozu der Suggadin in St. Gallenkirch fähig ist, zeigte er bei der Hochwasserkatastrophe im Jahr 2005. Damals riss er Teile der Gargellenerstraße mit. Um ein Haar hätte er auch das Heim der Schennachs zerstört. „Wenn es noch einen Tag länger geregnet hätte, dann wäre unser Haus nicht mehr gestanden“, ist sich Ilse sicher. Diese dramatischen Tage haben sich tief in ihr Gedächtnis eingegraben. Damals wurde ihr vor Augen geführt, mit welcher Gewalt dieser Bach kommen kann. „Draußen war es rabenschwarz. Es regnete stark und stank nach Lehm. Mit jeder Stunde stieg der Suggadin. Er kam meterhoch und führte große Steine wie Bälle mit sich. Drinnen im Haus vibrierte alles. Die Vibrationen waren so stark, dass die Gläser vom Tisch runterfielen“, erinnert sie sich an jene Nacht, von der sie meinte, dass sie nie mehr aufhört.

Am Zenit der Katastrophe hat sich laut Ilse das dreckige Wasser aufgebäumt und die Bäume entlang des Bachufers abrasiert. „Eine große Tanne mit Wurzel wurde an unsere Haustür geschwemmt.“ Das Wasser hatte sich schon bis zum Parkplatz gegraben. „Dort stand unser Lkw. Der Bach riss ihn mit sich fort.“

Seit diesem Ereignis hat die zweifache Mutter Angst vor dem Suggadin. Sie bangt um ihr Heim, das sie mit ihrem Mann Gerhard 1996 aufgebaut hat. Damals durfte das Ehepaar unter der Auflage bauen, dass es das Bachufer mit einer Steinmauer sichert. „Diesen selbst gebauten Steindamm hat es aber beim Hochwasser 2005 weggespült.“ Im Zuge des Sechs-Millionen-Euro-Projekts „Verbauung Suggadinbach“ sind auch Sicherungsmaßnahmen entlang des Bachufers bei der Familie Schennach vorgesehen, wie Wolfgang Schilcher, Gebietsbauleiter der Lawinen- und Wildbachverbauung im Bezirk Bludenz, berichtet. „Wir wollen eine 80 Meter lange, in Beton verlegte Steinmauer bauen.“ Kostenpunkt: 200.000 Euro. Die Schennachs werden sich mit 20.000 Euro an den Kosten beteiligen. Außerdem haben sie der Lawinen- und Wildbachverbauung ein zirka 200 Quadratmeter großes Grundstück zur Bachbettverbreiterung zur Verfügung gestellt.

Baustart verzögert

Eigentlich hätte schon vor zwei Jahren Baubeginn sein sollen. Weil es laut Schilcher dringendere Arbeiten gab, hat sich der Beginn der Bauarbeiten verzögert. Aber der Gebietsbauleiter verspricht: „Im Oktober werden wir anfangen.“ Ilse, die auf eine Schneeschmelze mit Föhn und auf einen Sommer mit wenig Gewittern hofft, geht vors Haus und zeigt zum Bach hinauf. Mit verängstigter Stimme sagt sie: „Das Wasser kommt direkt auf uns zu.“

Ilse zeigt auf den Bach:
Ilse zeigt auf den Bach: „Das Wasser kommt direkt auf uns zu.“