Müllentsorger beschäftigt die Justiz

Vorarlberg / 18.03.2016 • 22:28 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Müllentsorger beschäftigt die Justiz

Staatsanwaltschaft eingeschaltet: Lustenauer Firma Häusle soll illegal Kunststoffmüll vergraben haben.

Lustenau. Dem Abfallentsorgungsunternehmen Häusle droht mächtig Ärger. Wie die VN exklusiv erfahren haben, hat die Abteilung für Abfallwirtschaft der Landesregierung bei der Staatsanwaltschaft Anzeige gegen Häusle erstattet. Der Grund: Der Lustenauer Betrieb soll bis zu 400 Kubikmeter Kunststoffmüll illegal vergraben haben; unter einem Erdwall, dessen Zweck es eigentlich wäre, die Umgebung vor Lärm zu schützen. Harald Dreher von der zuständigen Landesabteilung bestätigt auf VN-Nachfrage die Anzeige: „Das ist ein äußerst grober Verstoß gegen das Abfallwirtschaftsgesetz.“

Schon im vergangenen Herbst

Auf der Unternehmenswebseite beschreibt Häusle, was mit Kunststoffmüll passiert: „Aus Kunststoffverpackungen können z.B. Joghurtbecher, Tragtaschen etc. hergestellt werden. Andere Kunststoff-Reststoffe können zu Pellets und Ersatzbrennstoffen verarbeitet werden.“ Nicht alles kann wiederverwertet werden. Laut Harald Dreher vom Land Vorarlberg müssen die Überbleibsel fachgemäß verbrannt werden. Dies geschehe nicht in Lustenau, sondern in der Schweiz.

Bis zu 400 Kubikmeter Kunststoffmaterial haben die Fahrt über die Grenze nie mitgemacht. Sie wurden unerlaubterweise vergraben, nach Drehers Vermutungen schon vergangenen Herbst. Das Unternehmen geht auch von diesem Zeitpunkt aus, sicher könne man es aber noch nicht sagen. Häusle-Geschäftsführer Thomas Habermann war am Freitagnachmittag telefonisch nicht mehr zu erreichen. Seine Pressestelle bestätigte die Recherchen jedoch und ließ den VN eine schriftliche Stellungnahme des Geschäftsführers zukommen: „Ich bin entsetzt, wie sich die Situation darstellt, und distanziere mich ausdrücklich davon.“ Habermann führt das Unternehmen seit 14. Dezember 2015 und stand ihm zuvor als Berater zur Seite. Der Kunststoffabfall sei noch unter der früheren Geschäftsleitung vergraben worden, heißt es aus der Pressestelle.

Selbstanzeige erstattet

Habermann schreibt: „Natürlich werde ich alles tun, um die Ermittlungen der Behörden zu unterstützen und die Thematik möglichst rasch und lückenlos aufzuklären.“ Der Lustenauer Betrieb bestätigt auf VN-Nachfrage, am Donnerstag Selbstanzeige erstattet zu haben. Der Müll sei mittlerweile unter Aufsicht des Landes fachgerecht entsorgt worden.

Ein Passant brachte den Fall ins Rollen. Er entdeckte den Müll unter der Erde, meldete das der Landesbehörde. Diese kontrollierte nach eigener Auskunft umgehend den Ort, fand aber nichts. „Die Geschäftsführung stritt die Behauptung entschieden ab“, schildert Dreher. Wenige Tage später fotografierte der Passant den Müll und schickte die Bilder an die Behörde. Die nächste Kontrolle folgte. Unangemeldet. „Da waren sie gerade dabei, am Erdwall herumzubaggern“, beschreibt Dreher. Darauf informierte Dreher die Bezirkshauptmannschaft und die Staatsanwaltschaft.

Ich bin entsetzt, wie sich die Situation darstellt, und distanziere mich ausdrücklich davon.

Häusle-GF Thomas Habermann

Ein äußerst grober Verstoß gegen das Abfallwirtschaftsgesetz.

Harald Dreher