Viele bunte Ideen rund ums Ei

Vorarlberg / 24.03.2016 • 20:16 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Eierverzieren ist eine akribische Arbeit. Kunsthandwerkerin Sieglinde Steurer macht diese Arbeit aus „purer Freude“.  Fotos: VN/Hofmeister
Eierverzieren ist eine akribische Arbeit. Kunsthandwerkerin Sieglinde Steurer macht diese Arbeit aus „purer Freude“. Fotos: VN/Hofmeister

Kunsthandwerkerin Sieglinde Steurer aus Hard verwandelt Eier in kleine Kostbarkeiten.

Hard. (VN-kum) Handwerkliches Geschick hat man oder man hat es nicht. Wie jedes andere Talent ist es einem gleichsam in die Wiege gelegt. Sieglinde Steurers Kreativität wurde früh geweckt. Die Oma und die Mutter bastelten viel mit ihr im Mädchenalter. Heute erinnert sich die 67-jährige Harderin gerne daran zurück, „dass wir schöne Karten beschriftet und bemalt oder Blumen gepresst haben“.

Aber in der Familie wurde auch oft gehäkelt und gestrickt. „Ich hab’ mit einer Strickliesel Schnüre gestrickt und daraus Figuren gemacht“, weiß Sieglinde Steurer noch. Auch in der Schule wurden ihre handwerklichen Fähigkeiten gefördert. „Zusammen mit einer Internatsschwester hab’ ich mich mir Glasmalerei und Emailarbeiten beschäftigt. Wir haben aber auch mit Kupfer gearbeitet.“ In der Schule, in der sie durch ihr zeichnerisches Können auffiel, lernte sie außerdem Kalligrafie, die Kunst des Schönschreibens.

Ihr handwerkliches Geschick wurde praktisch zu ihrem Hobby – auch als fünffache Mutter hat sie sich dafür immer die Zeit genommen. „Es war ein schöner Ausgleich zu den Kindern.“ Sieglinde Steurer hat schon mit allerlei Werkstoffen gearbeitet: Aus Holz schnitzte sie Frösche, aus Pappmaché formte sie Hennen, aus rostigem Eisen fertigte sie Raben, aus Ton modellierte sie Herzen – ihre Kreativität kennt keine Grenzen und hat das ganze Jahr über Saison. In der Weihnachtszeit bastelt sie beispielsweise Krippen aus Schwemmholz, im Fasching dann Masken und im Herbst schließlich Kränze für den Harder Frauenmarkt.

Jetzt, in der Osterzeit, erreicht ihre Schaffenskraft erneut einen Höhepunkt. Die Kunsthandwerkerin verziert Eier. Eine Ausstellung weckte vor vielen Jahren ihr Interesse fürs Eiermalen. Seither verschönert sie aus ihrer Fantasie heraus Eier. Sieglinde Steurer zeigt auf eines ihrer ersten Ostereier, das sie zu einer kleinen Kostbarkeit gemacht hat. „Ich habe aus einem alten Messbuch Streifen herausgeschnitten und sie auf das Ei geklebt.“ Ein anderes ist mit Knöpfen versehen. „Ich habe Löcher ins Ei gebohrt und die Knöpfe mit einer Nadel angenäht.“ Derzeit malt sie gerade mit einem Permanentstift ein Muster auf ein Ei. Aber sie hat auch schon mit einem scharfen Messer Vögel oder Blumen auf Eier geritzt und sie dann mit Naturfarben gefärbt.

Die Harderin arbeitet aber auch gerne mit Tusche, Aquarell- und Lackfarben. Nicht jeder Tag oder jede Stunde eignet sich für diese akribische Arbeit. „Manchmal zittere ich, dann höre auf und mache später oder am nächsten Tag weiter.“ Heuer hat sie schon 40 Eier kunstvoll verziert. Die meisten davon verschenkt sie an Bekannte und Verwandte. „Es freut mich, wenn ich Menschen eine Freude machen kann.“ Früher verkaufte sie ihre Kleinode übrigens beim Harder Osterbasar. Der Verkaufserlös ging immer an eine Sozialaktion. Das war ihr wichtig. Je mehr sich die einfallsreiche Frau mit Eiern beschäftigte, desto mehr faszinierten diese sie. „Dass ein Tier so etwas hervorbringen kann, ist ein Wunder.“ Das Ei ist für sie „ein wunderbares Ding. Wenn man es in der Hand hält, merkt man, dass jedes eine andere Oberfläche hat. Manche fühlen sich wie Porzellan an.“ Ihr Interesse für Eier mündete schließlich darin, dass sie anfing, sie zu sammeln. Ihr Heim zeugt von ihrer Sammelleidenschaft. In mehreren Glasvitrinen kann man Eier aus aller Welt und in allen Variationen bewundern, unter anderem Ikonen- und Cloisonné-Eier. Im Wohnzimmer sind auch Eier von Schwänen und Straußen und anderen Vogelarten ausgestellt. „Im Keller habe ich noch ein paar Schachteln Eier.“ Sieglinde muss lächeln. „Wahrscheinlich wird man mich einmal mit Eiern begraben“, meint sie.

Sieglinde Steurer zeigt ein zur Kostbarkeit verziertes Ei.
Sieglinde Steurer zeigt ein zur Kostbarkeit verziertes Ei.