„Dieses Vorhaben geht weit darüber hinaus“

Vorarlberg / 05.04.2016 • 19:16 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Günther Salzmann wälzt seit vielen Jahren Pläne für die Erweiterung des Salzmann-Hafens. VN/Hofmeister
Günther Salzmann wälzt seit vielen Jahren Pläne für die Erweiterung des Salzmann-Hafens. VN/Hofmeister

Rohrspitz-Bescheid wird demnächst erwartet. Der Naturschutz erneuert die Kritik an den Ausbauplänen. 

Fußach. (VN-ger) In wenigen Wochen soll es soweit sein und der Bescheid der Bezirkshauptmannschaft Bregenz zum Salzmann-Hafen-Ausbau vorliegen. „Wir befinden uns derzeit im Entwurfsstadium“, bestätigt Dietmar Ender, Leiter der Abteilung Allgemeine Verwaltung. Zum Ausgang des Verfahrens wollte Ender am Dienstag noch keine Angaben machen. „Es sind nach wie vor rechtliche Prüfungen im Gange. Die Entscheidung ist noch offen“, unterstreicht er. Sowohl die Naturschutzanwaltschaft als auch die Plattform „Unser Rohrspitz“ gehen jedoch davon aus, dass der Bescheid positiv ausfallen wird.

„Wir finden das katastrophal und nicht nachvollziehbar“, poltert Elke Wörndle, Mitglied von „Unser Rohrspitz“ und Gemeindevertreterin (Natürlich Fußach!). Auch aus Sicht der Naturschutzanwaltschaft, die unlängst eine Stellungnahme zum Ausbau der Freitzeitanlage am Rohrspitz abgegeben hat, sind die naturschutzrechtlichen Voraussetzungen für die Erteilung einer Bewilligung nicht gegeben. Die Erweiterung werde sowohl vorübergehend während der Bauzeit als auch langfristig durch den Bestand des neuen Gebäudes und des erweiterten Campingplatzes sowie mittelbar durch die intensivierte Nutzung der Anlage erhebliche Auswirkungen auf die Umgebung haben, ist Naturschutzanwältin Katharina Lins überzeugt. „Wir haben auch in den vielen früheren Diskussionen immer betont, dass ein Ausbau und eine Modernisierung der Anlage im bestehenden Umfang vertretbar ist. Dieses Vorhaben geht aber weit darüber hinaus“, kritisiert sie. Im Zentrum eines international bedeutenden Schutzgebietes müsse der Schutz der Natur Vorrang haben – „Sport und Erholung sind auch an vielen anderen Orten möglich.“ 

„Fehlende Bewilligung“

Die Plattform „Unser Rohrspitz“ ortet darüber hinaus erhebliche Verfahrensmängel. Eine Eingabe an die Landesvolksanwaltschaft ist vor wenigen Wochen erfolgt. Die Mitglieder vermissen naturschutzrechtliche Bewilligungen für die Livemusik-Veranstaltungen, für die Erweiterung der Sperrstunde und für diverse Schleppfahrten. „Außerdem vernachlässigten die Behörden seit Jahrzehnten die gesetzliche Auflage, die kumulativen Auswirkungen aller Bewilligungen im Natura-2000-Gebiet zu erheben“, ergänzt Wörndle, die nicht zuletzt bezweifelt, dass es für den Kiosk eine gewerberechtliche Genehmigung gibt. Diese Behauptungen seien nicht neu und bereits mehrfach beantwortet worden, verweist Dietmar Ender unter anderem auf eine Grünen-Anfrage vom November 2015. „Es wird mit bestem Wissen und Gewissen alles erledigt“, versichert der BH-Abteilungsleiter.

Am Rohrspitz geplant sind ein neues Multifunktionsgebäude (SB-Restaurant/Kiosk) mit Büroräumlichkeiten, zwei Wohnungen, Sanitärräumen sowie eine Tiefgarage. „Wir machen keinen Quadratmeter Schilf kaputt, im Gegenteil: Die Betonflächen werden weniger“, wird Projektbetreiber Günther Salzmann nicht müde zu betonen.

Wir finden das katastrophal und nicht nachvollziehbar.

Elke Wörndle