Maulwürfe gruben es ans Licht

Vorarlberg / 12.04.2016 • 22:15 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die Grundparzelle Nr. 7620 in Hohenems ist einer der Auffindungsorte und gespickt mit Kunststoffresten.  Fotos: Sohm
Die Grundparzelle Nr. 7620 in Hohenems ist einer der Auffindungsorte und gespickt mit Kunststoffresten. Fotos: Sohm

Auch im Emser Ried sind Kunststoffreste aus Häusle-Müll abgelagert worden.

Hohenems. Einmal mehr war es ein aufmerksamer Passant, dem Unregelmäßigkeiten in abgelagertem Erdreich aufgefallen sind. Doch diesmal nicht auf dem Betriebsareal des Lustenauer Abfallentsorgers Häusle, sondern mitten in der Natur, und zwar gleich an mehreren Stellen in den saftigen Wiesen des Hohen­emser Riedes.

Wie sich die Vorarlberger Nachrichten am Dienstag vor Ort selbst überzeugen konnten, leuchten im abgelagerten Pferdemist Reste von Kunststoff-Fräsmaterial in großer Menge und in allen Farben.

Als Einstreu verwendet

„Das Fräsmaterial aus Plastik wurde bei Häusle zur ordnungsgemäßen Entsorgung abgegeben“, so der Informant (Name der Redaktion bekannt), „dort mit Sägemehl vermischt und dann einzelnen Landwirten zur Verwendung als Einstreu in den Pferdeboxen überlassen.“ Schließlich vermischten sich die Plastikreste mit dem Pferdemist, der dann als Dünger auf den Wiesen deponiert wurde. Maulwürfe waren es, die das Material schließlich deutlich sichtbar machten. Wann, wo noch und in welchen Mengen der illegale Müll dort verbracht wurde, ließe sich nicht mit Sicherheit sagen. Aber es müsse mindestens ein Jahr her sein, so der Entdecker der Plastikreste.

Behördliche Abklärung

Mit einer ähnlichen Vorgangsweise illegaler Kunststoffentsorgung ist ja bereits auf dem Lustenauer Gemeindegrundstück „Heidensand“ vorgegangen worden, was auch beim kürzlichen VN-Stammtisch zum Häusle-Skandal angesprochen wurde. Nun hat sich dieser Skandal auch auf landwirtschaftliche Flächen im Emser Ried ausgedehnt. Von den VN damit konfrontiert, leitete Harald Dreher von der Abteilung Abfallwirtschaft der Landesregierung die neue Causa am Dienstagnachmittag sofort zur behördlichen Abklärung an die zuständige Bezirkshauptmannschaft Dornbirn weiter. „Die Sache betrifft den Paragraphen 73 Abfallwirtschaftsgesetz, der bei der Bezirkshauptmannschaft angesiedelt ist. Da haben wir leider keine Zuständigkeit, was ich nicht gut finde“, sagt Dreher.

Für Thomas Humpeler von der Abteilung Wirtschaft und Umweltschutz der Dornbirner Bezirkshauptmannschaft ist die aktuellste Entwicklung ebenfalls neu. Sie wäre damit der dritte Fall einer illegalen Kunststoffentsorgung außerhalb des Häusle-Areals. „Sobald wir genau wissen, wo die Auffindungsorte sind, wird die Sache untersucht.“ Wie er aus dem Bildmaterial der VN entnehmen könne, sei es das exakt selbe Fräsmaterial, wie es bereits in den Jahren 2012 und 2015 in Lustenau im „Heidensand“ und im Alberried aufgefunden wurde.

Gleichzeitig gab sich der Hohenemser Vizebürgermeister Bernhard Amann empört ob dieser Information. „Hier müssen die Verantwortlichen, also auch die Landwirte, endlich zur Verantwortung gezogen werden. Und wenn die Bezirkshauptmannschaft nicht reagiert, ist es eine zahnlose Behörde. Ich werde die Sache heute Abend bei der Stadtvertretungssitzung zur Sprache bringen“, so Amann. 

Die Fräskunststoffreste sind ident mit jenen von Lustenau.
Die Fräskunststoffreste sind ident mit jenen von Lustenau.
Maulwürfe gruben es ans Licht

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