Hochbetrieb in Ambulanzen

Vorarlberg / 17.04.2016 • 19:43 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die in den Ambulanzen tätigen Ärzte und Pflegepersonen haben alle Hände voll zu tun.  Foto: vn/hofmeister
Die in den Ambulanzen tätigen Ärzte und Pflegepersonen haben alle Hände voll zu tun.  Foto: vn/hofmeister

Ärztekammer fordert Regelung mit Sanktionen zur besseren Patientensteuerung.

schwarzach. Das Jahr 2013 ließ hoffen: Die Ambulanzzahlen in den Krankenhäusern waren erstmals rückläufig. Doch es handelte sich offenbar um ein Strohfeuer. Innerhalb von zwei Jahren zogen die Frequenzen wieder deutlich, und zwar um über vier Prozent, an. Auch heuer zeigen die Zahlen schon nach oben. Im Landeskrankenhaus Feldkirch etwa lagen die Gesamtfrequenzen im ersten Quartal um knapp drei Prozent höher als im gleichen Zeitraum des Vorjahrs. Gerald Fleisch, der Direktor der Krankenhausbetriebsgesellschaft (KHBG), sieht die Ärztekammer in der Pflicht und spricht in diesem Zusammenhang die oftmalige Nichterreichbarkeit einzelner niedergelassener Ärzte an. Dies gehe auf Kosten anderer im Gesundheitswesen und müsse abgestellt werden.

Systempartner gefordert

Ärztekammerpräsident Michael Jonas wiederum ist überzeugt, dass es eine Patientensteuerung mit Sanktionen bei Nichteinhaltung der Versorgungspyramide braucht. „Das ist letztlich aber eine politische Entscheidung“, bedauert er die Mutlosigkeit in dieser Sache. Gesundheitslandesrat Christian Bernhard sagt: „Die bessere Zusammenarbeit zwischen den Bereichen muss dringend angegangen werden und zwar bevor die Pensionierungswelle bei den niedergelassenen Ärzten einsetzt.“

Er verlangt, dass sich alle Systempartner ernsthaft einbringen und ein ausgewogenes Verhältnis in der Patientenversorgung gewährleisten. Er könne nur im Spitalswesen aktiv werden. Das will Bernhard tun, wenn es zu keinen Verbesserungen kommt. „Dann machen wir die Ambulanzen auf“, stellt er eine Lösung in Aussicht, die er aber nicht wolle. Christian Bernhard hofft, dass der Bund bald in der Frage der Primärversorgungseinrichtungen (PHC) weiterkommt. Hier sollen Ärzte und Vertreter anderer Gesundheitsberufe enger zusammenarbeiten. Profitieren sollen die Patienten, etwa durch längere Öffnungszeiten. Allerdings fehlt es nach wie vor an den gesetzlichen Grundlagen.

Die Ärztekammer befürworte solche Einrichtungen mit dem Hausarzt als zentralem Partner, erklärte Michael Jonas. Er merkte an, dass die Patientenzahlen auch im niedergelassenen Bereich steigen. Dass der Zustrom in die Spitalsambulanzen nicht abreißt, hängt seiner Ansicht nach mit der zunehmenden Ungeduld der Menschen zusammen. Medizin werde wie ein Warenhaus betrachtet. Nur durch Regeln mit Sanktionen monetärer Natur sei Ordnung zu schaffen.

Zuweilen treibt auch fehlende Erreichbarkeit des Hausarztes die Patienten in die Ambulanzen. Beide Gemeindeärzte fast zeitgleich auf Urlaub und beim nächstgelegenen Arzt nur ein Tonband: Vor dieser Situation stand jüngst Carmen Broger in Schwarzach, als sie für ihren Mann Hilfe suchte. Sie rief im LKH Bregenz an, wo ihr beschieden wurde, sie könne in die Ambulanz kommen. Dort musste sie sich jedoch die Frage gefallen lassen, warum sie nicht den diensthabenden niedergelassenen Arzt aufgesucht habe. Michael Jonas räumt ein, dass es zu Fehlern komme, als allgemeinen Vorwurf will er das nicht gelten lassen.

Es müssen sich alle Systempartner ernsthaft einbringen.

Christian Bernhard

Ambulanzfrequenzen

» 2013:
Erstbehandlungen: 156.516
Nachbehandlungen: 212.993
Gesamt: 369.506

» 2014:
Erstbehandlungen: 160.033
Nachbehandlungen: 220.485
Gesamt: 380.515

» 2015:
Erstbehandlungen: 161.825
Nachbehandlungen: 223.603
Gesamt: 385.428

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