Frostangst statt Feuerbrandgefahr

Vorarlberg / 18.04.2016 • 20:40 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Der Einsatz des Antibiotikums Streptomycin soll nur im äußersten Notfall erfolgen. Foto: VN/Paulitsch
Der Einsatz des Antibiotikums Streptomycin soll nur im äußersten Notfall erfolgen. Foto: VN/Paulitsch

Das triste Wetter hat auch seine guten Seiten. Es verbannt den Feuerbrand.

Bregenz. Noch vor einigen Tagen schrillten bei den Vorarlberger Obstbauern die Alarmglocken. Temperaturen mit bis zu 27 Grad waren angesagt, und das mitten in der Blütezeit von Apfel- und vor allem Birnbaumkulturen. „Das hätte natürlich eine hohe Infektionsgefahr für den Feuerbrand bedeutet“, weiß Ulrich Höfert (53), Referent für Obstbau in der Landwirtschaftskammer.

Gott sei Dank kam es anders. Eine Kaltfront mit Regen hat das Land derzeit im Griff, für eine mögliche Ausbreitung des Feuerbrands fehlen daher die Voraussetzungen.

Heuer frühe Blüte

Durchatmen ist bei den gewerblichen und Hobby-Obstbauern dennoch nicht angesagt. Gefahr droht jetzt nämlich von der entgegengesetzten Front. „Es gibt derzeit Wetterprognosen, die von einer Frostnacht zwischen dem 25. und 26. April ausgehen. Sollte das eintreffen, sind viele Bäume, die voll in der Blüte stehen, ebenfalls in Gefahr“, erklärt Höfert. Die generelle Situation heuer: Die Blütezeit setzte aufgrund des milden Wetters sehr früh ein. „Auch letztes Jahr waren wir früh. Aber heuer eben noch eine Woche früher“, erläutert der Obstbauexperte. Das heißt: Die Gefahr eines Frosteinbruchs ist größer. Am gefährdetsten sind dabei jene Obstbäume, bei denen bereits winzig kleine Früchtchen ausgebildet sind.

Das große Zittern

Der Feuerbrand hat die Landwirte in den letzten beiden Jahren mehr oder weniger verschont. Zur Zeit der Hauptblüte hielt sich die Wärme in Grenzen. Beträgt die Temperatur zwischen 18 und 22 Grad, ist das Risiko für eine Infektion gering. Steigt die Quecksilbersäule weiter nach oben, fängt das große Zittern an. Der Feuerbrand wurde in den 90er-Jahren in Vorarlberg zum Problem und hat in Zeiten hoher Infektion zu massiven Rodungen von Obstbäumen geführt. Auch zahlreiche Hochstämmer in Privatgärten fielen der Axt zum Opfer; das führte zur optischen Veränderung ganzer Landstriche.

Ein Interreg-Forschungsprogramm wurde daraufhin installiert, um Strategien gegen das Problem zu entwickeln. Für das umstrittene Antibiotikum Streptomycin gab es in Zeiten großer Gefahr eine begrenzte Zulassung. Das führte zu Kritik von Umweltgruppen. Ein zuverlässiges biologisches Mittel gegen die Feuerbrandgefahr gibt es noch nicht. 

Nagelprobe kommt

Während heuer die Birnenblüte laut Aussage von Ulrich Höfert wieder gute Chancen besitzt, nahezu unbeschadet das Frühjahr zu überstehen, gilt das für die Apfelblüte nicht. Ihr Wachstum ist durch die derzeit herrschende kühle Witterung gebremst. Es muss wärmer sein, damit sich die Blüte weiterentwickeln kann. Aber es darf andererseits nicht zu warm werden, wodurch sich ideale Infektionsbedingungen für die Bakterienkrankheit ausbreiten könnten. Die große Nagelprobe kommt erst.

Der Kommunikationsfluss zwischen den gewerblichen Obstbauern und den Experten, die im Ernstfall über den Einsatz von Streptomycin in beschränktem Umfang entscheiden müssen, klappt mittlerweile gut. 

Seinen letzten Vernichtungsfeldzug mit riesigen Schäden als Folge absolvierte der Feuerbrand 2007.

Die Angst vor einem Frost­einbruch ist derzeit größer als die Gefahr durch den Feuerbrand.

Ulrich Höfert