Hanno Loewy

Kommentar

Hanno Loewy

In zwölf Jahren

Vorarlberg / 01.05.2016 • 19:18 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Wir waren in Wien und hatten das Vergnügen, die letzte Wahlveranstaltung von Norbert Hofer auf dem Stephansplatz verfolgen zu können. Er freut sich schon auf die Hofburg. Und alle sollen mitkommen, ruft er der johlenden Menge zu. Ich empfand das irgendwie als Drohung.

Aber so funktioniert das ganze System FPÖ. Man sagt etwas, und hat es hinterher gar nicht so gemeint. So bedient man die, die es hören wollen, und die, die es nicht hören wollen auch.

Im Jänner 2012 ärgert sich HC Strache über Proteste gegen den Burschenschafter-Ball und ruft: „Wir sind die neuen Juden.“ Ab und zu fährt er auch nach Israel, um sich mit rechten Politikern zu treffen. „Unser Herz ist mit euch“, ruft er schon 2010 Siedlern in der Westbank zu. Um dann wieder in die andere Richtung auszuschlagen.

Im August 2012 postet Strache auf Facebook die Karikatur eines fetten Bankers mit Davidsternen als Manschettenknöpfen und behauptet hinterher, da seien „nachweislich“ gar keine gewesen. Der Nachweis besteht darin, dass er die Karikatur im Internet flugs gegen eine andere Fassung ohne Davidsterne austauscht. So einfach geht das.

Der freiheitliche Nationalrat Christian Höbart nennt 2015 die Flüchtlinge auf Facebook „kulturferne und ungebildete Höhlenmenschen und Ziegenhirten“. Norbert Hofer fällt dazu nichts Besseres ein als (O-Ton): „Ziegenhirte ist doch kein Schimpfwort.“ Ja, das stimmt: Manche Wörter sind eben nur dann Schimpfwörter, wenn man damit jemanden beschimpft. Nach den Anschlägen von Paris postet Strache das Video einer angeblichen islamischen Freudenkundgebung in Paris. Das Video war aus Pakistan, sechs Jahre alt und zeigte den Jubel bei einem Cricket-Match. Auch dazu fällt Norbert Hofer nichts Besseres ein als (O-Ton): „Es können auch einmal Fehler passieren.“

Am 28. Dezember wird Norbert Hofer gefragt, ob er als Bundespräsident kandidieren würde. Antwort: „Ich fühle mich für diese Aufgabe etwas zu jung. … Wenn sie mich in zwölf Jahren noch einmal fragen und ich bin da noch in der Politik, werde ich mit großer Freude sagen: :,Ja, ich möchte unbedingt für dieses Amt kandidieren.‘“

Am 14. April überfallen sogenannte „Identitäre“ eine Theatervorstellung mit Flüchtlingen in Wien und spritzen mit Kunstblut um sich. Eine schwangere Frau wird in den Bauch getreten. Strache nennt das Ganze auf Facebook „friedlichen Aktionismus“.

Am 22. April macht Norbert Hofer klar, wie er sein zukünftiges Amt versteht: Er könne die (immerhin gewählte) Regierung auch des Amtes entheben: „Sie werden sich wundern, was alles gehen wird.“

Wollen wir uns nach dem 22. Mai wirklich darüber wundern müssen, „was alles geht“?

Wollen wir uns nach dem 22. Mai wirklich darüber wundern müssen, ,was alles geht‘?

hanno.loewy@vorarlbergernachrichten.at
Hanno Loewy ist Direktor des Jüdischen Museums in Hohenems.