„Mein Leben ist mehr als erfüllt: Ich bin glücklich“

Vorarlberg / 01.05.2016 • 18:41 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Ein Unfall mit dem Alpine-Coaster hat sein Leben verändert. Einschränken lässt sich Fabian Burtscher (20) dadurch aber nicht.
Ein Unfall mit dem Alpine-Coaster hat sein Leben verändert. Einschränken lässt sich Fabian Burtscher (20) dadurch aber nicht.

Erfülltes Leben trotz Schicksalsschlag: Fabian Burtscher hat ein Bein verloren.

Ludesch. Er wäre gestorben, wenn man ihm nicht das Bein abgenommen hätte. „Ich bekam eine Gänsehaut, als mir die Ärzte sagten, dass mein Leben auf dem Spiel steht und ich nur eine Chance hätte, wenn man mir das linke Bein ab dem Knie amputiert. Mir wurde abwechselnd kalt und warm“, erinnert sich Fabian Burtscher (heute 20), der vor fünf Jahren auf der Rodelbahn Alpine-Coaster-Golm schwer verunglückte. In diesem Moment war seine größte Befürchtung, nie mehr gehen zu können. Ein Gespräch mit einem Prothesenträger nahm ihm diese Angst. „Er sagte, dass auch mit einer Beinprothese viel möglich sei.“

Dieser Mann sollte Recht behalten. Fabian, der vor dem Unfall sehr sportlich war, kann auch heute Sport betreiben. Er geht nach wie vor Wandern. „Auch wenn das heute für mich viel anstrengender ist als früher.“ Dank einer speziellen Prothese (mit einer Feder) kann der junge Mann auch wieder joggen. Sportarten wie Fußball und Skifahren übt er nicht mehr aus. An deren Stelle sind andere getreten. „Ich spiele Sitzball bei der Versehrtensportgruppe Bludenz und Ice-Sledge-Hockey. Das ist Eishockey für Amputierte und Querschnittgelähmte. Da bin ich sogar im Nationalteam.“

Der Unfall und die nachfolgende Amputation warfen ihn nicht aus der Bahn. „Natürlich war für mich am Anfang alles schwer zu verstehen. Ich fragte mich, warum es gerade mich erwischt hat. Aber ich sah schnell ein, dass ich nichts ändern konnte. Also nahm ich mein Schicksal an und sagte mir: ,Es geht weiter auf einem neuen Weg. Jetzt muss ich halt anders gehen.‘“

Berufstraum platzte

Fabian wollte immer Polizist werden. „Das war von Kind an mein Traum.“ Dieser Traum zerplatzte. Aber es taten sich neue Chancen auf. Nach der HTL, die der Ludescher mit gutem Erfolg abschloss, fand der IT-Experte eine Anstellung als Netzwerktechniker. „Der Job gefällt mir super. Ich gehe gerne arbeiten.“ Dem Schicksalsschlag kann Fabian heute auch Positives abgewinnen. „Dadurch habe ich viele neue Menschen kennengelernt, unter anderem meine Freundin Rahel.“ Mit ihr möchte er in absehbarer Zeit eine Familie gründen und ein Haus bauen. Sein Leben sei mehr als erfüllt, sagt er. „Ich bin glücklich.“

Seit dem Unfall sieht er das Leben mit anderen Augen. „Mir ist bewusst, dass es jeden Tag vorbei sein kann. Jeder Tag ist schön, an dem man leben und Neues entdecken kann.“ Fabian ist dankbar, „dass ich jeden Tag aufstehen und noch gehen kann.“ In der Reha lernte er, mit der Prothese zu gehen. „Das ist gar nicht so einfach. Es braucht viel Gleichgewicht.“ Er ist froh, „dass mir das künstliche Bein nur ganz selten Probleme macht. Nur einmal im Jahr braucht es eine Anpassung beim Prothesenbauer.“ Dank der gutsitzenden Prothese merkt er oft gar nicht, dass er gehandicapt ist. „Es gibt für mich keine Einschränkung.“