Die Welt auf einen Blick

Vorarlberg / 05.06.2016 • 18:45 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Es ist wieder einmal so weit. Ich vermeide die Nachrichten. Ganz egal, ob sie im Radio oder im Fernsehen gesendet werden. Gleichgültig auch, ob die Welt mit Armin Wolfs Wiener ZiB2- oder Marietta Slomkas Berliner heute-journal-Augen betrachtet wird. Ich schalte sie weg, ganz einfach.

Seit der Schule geht es mir so. Immer wieder komme ich an den Punkt, wo mir der Lauf unserer Geschichte über den Kopf zu wachsen droht. Denn ich gestehe, ich bin oft nicht in der Lage zu begreifen, was wir Weltgeschehen nennen. Sie etwa?

Letzten Freitagabend, zum Beispiel, wurden uns ein paar Sekunden lang Leichen am Strand gezeigt. An diesem Tag sollen über 100 tote Flüchtlinge an Lybiens Küste gespült worden sein. Stellen wir uns das vor, über 100 Tote! Das ist, als hätten wir auf einen Schlag die Hälfte aller Menschen aus Schröcken zu betrauern. Unfassbar. Nach einem kurzen Cut ging es weiter. Die Fifa wurde beleuchtet. Der ehemalige Präsident Joseph Blatter und zwei andere Topmänner sollen sich in den letzten Jahren persönlich um knapp 80 Millionen Schweizer Franken bereichert haben. 80 Millionen Schweizer Franken! Mit dieser Summe könnte die Kinder- und Jugendhilfe Vorarlbergs ihr Angebot mit einem Mal auf das Doppelte aufstocken. Und dann wäre immer noch genug Geld da, um ein paar marode Schulen zu sanieren. Unbegreiflich. Schließlich wurde die Kamera in die USA geschwenkt. Im Zeichen der Demokratie lieferten sich Donald Trump und Hillary Clinton da heftige Wortgefechte auf unterstem Niveau. Clinton erklärte Trump zum psychiatrischen Fall, und Trump forderte Gefängnis für seine politische Gegnerin. Zwischen Anhängerinnen und Anhängern der republikanischen und demokratischen Parteien flogen im Anschluss an diese Fehde dann Fäuste und Eier. Mit Fäusten und Eiern für Freiheit, Gleichheit und Frieden! Für mich ist das so, als würde sich die kleine Schwester Demokratie in ihrem Erwachsenwerden ganz unbemerkt von uns allen erfolgreich am großen Bruder Diktatur orientieren. Beängstigend.

Ehrlich, ich glaube nicht wirklich an den rechten Lauf der Dinge oder die Natur der Sache. Ich glaube, all das geschieht, weil unsere Weltpolitik so ist, wie sie ist. Und ich frage mich, wie zum Teufel nochmal wir das zulassen können. Und jetzt: das Wetter.

Denn ich gestehe, ich bin oft nicht in der Lage zu begreifen, was wir Weltgeschehen nennen.

amanda.ruf@vorarlbergernachrichten.at
Amanda Ruf ist Geschäftsführerin des Vereins Amazone.