Es blüht uns ein Insektenjahr

Vorarlberg / 06.06.2016 • 17:05 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Die Wespen werden sich ab Mitte Sommer in großer Zahl auf alles Süße stürzen. Foto: VN/HOfmeister
Die Wespen werden sich ab Mitte Sommer in großer Zahl auf alles Süße stürzen. Foto: VN/HOfmeister

Milder Winter, feucht-warmer Frühling: Wespen, Mücken, Fliegen gedeihen prächtig.

Schwarzach. Matthias Gort (35), wissenschaftlicher Mitarbeiter bei der inatura, findet kaum Argumente gegen ein drohendes massives Auftreten jener Insekten, die uns in der warmen Jahreszeit nicht unbedingt erfreuen. Fliegen, Mücken, Ameisen, Wespen, Hornissen: Sie alle fanden und finden ideale Voraussetzungen vor, sich zu vermehren und zu entwickeln.

Ameisen im Haus

„Natürlich“, räumt Gort ein, „kann wettermäßig noch viel passieren. Aber es ist eben auch schon sehr viel passiert, sodass wir mit großer Wahrscheinlichkeit vor einem Insektenjahr stehen.“ Wobei sich Gort dabei auf jene Kleintiere bezieht, die für den Menschen sichtbar und nicht immer angenehm sind.

Bereits stark präsent sind die Ameisen, speziell die braun-schwarzen Wegameisen. „Sie mögen grundsätzlich warme Temperaturen und lieben es zudem feucht“, erklärt der Experte. Dabei bauen sie ihre Nester dort, wo sie relativ wetterunabhängig sind, nämlich unter der Erde. Finden tut man die Wegameisen im Rasen, wo sich ihre Behausungen als Erdklumpen zu erkennen geben. Man sieht sie aber auch auf Terrassen oder unter Bodenplatten. Und wehe, sie finden irgendwo einen Eingang ins Haus. Schon starten sie dorthin eine Invasion und verwandeln saubere Küchen in eine breite Ameisenstraße. „Das ist dann natürlich nicht angenehm“, weiß Gort.

Wie man die quirligen Krabbler wieder los wird? „Am besten durch in einschlägigen Märkten erhältliche Köderdosen, die eine für die Ameisen schädliche Duftnote beinhalten und das Problem in kurzer Zeit lösen sollen. Die Ameisen bringen die todbringende Substanz in ihr Nest und damit auch den Tod. Obwohl diese Duftstoffe giftig sind, besteht laut Experten keine Gefahr, dass alle Ameisen auch im Freien verschwinden. „Dazu bewohnen sie zu viele Nester“, sagt Matthias Gort.

Fliegen auf dem Grillfleisch

Während Ameisen in eher seltenen Fällen zu Störfaktoren für Menschen werden, verhält es sich bei Fliegen, Mücken und Wespen anders.

Die Fliegen liefern bereits jetzt diesen Beweis. „Ja“, bestätigt Gort, „es sind schon viele von ihnen herum.“ Die milden Temperaturen waren ihrer Entwicklung sehr zuträglich. Bemerkbar machen sich vor allem die Stubenfliegen, nicht nur in den Häusern, sondern auch als gierige Belagerer von Grillfleisch. „Fliegen haben einen Instinkt für tote Lebewesen. Sie merken sofort, wenn die Zersetzung beginnt und der Abbau von Eiweiß einsetzt. Schon sind sie da“, erklärt der Biologe. Bei günstigen Rahmenbedingungen dauert die Entwicklung von der Larve zur Fliege zehn Tage. Je wärmer es ist, desto schneller vermehren sie sich. Umgekehrt: Je kühler die Temperaturen, desto länger dauert dieser Prozess und desto weniger Fliegen sind insgesamt existent. Heuer waren die Voraussetzungen für die Vermehrung gut. Und vor allem sind die Fliegen schon sehr früh sehr stark vertreten.

Mücken und Gewässer

Nicht gerade zu den Lieblingshaus- und Freilufttieren des Menschen zählen die Mücken. Die diesbezüglich gute Nachricht: Sie sind noch kaum präsent. Die schlechte Nachricht: Sie werden noch kommen – und wie. „Es haben viele sogenannte Adulte den vergangenen Winter überlebt. Adulte sind fertige Mücken. Und je zahlreicher sie in den Frühling ziehen, desto mehr Eier legen sie“, umreißt Matthias Gort die Situation bei den unangenehmen Stechern, die vor allem in der Nacht zur echten Plage werden können. Mücken mögen jedes stehende Gewässer. Das heißt: Wassertonnen im Garten, Blumentopfuntersätze mit Wasser und Pfützen aller Art sind Brutstätten für Mücken. Die Hausmücke bedeutet Gefahr am Tag und vor allem in der Nacht. Die Überschwemmungsgelse, die sich bei Hochwasser auf der Wasseroberfläche entwickelt und rapide vermehrt, konzentriert ihre Stechtätigkeit auf die Dämmerung.

Auffällige Hornissen

Sich nicht rar zu machen, versprechen heuer auch die Wespen. Für Aufregung haben bisher aber vor allem die größeren Geschwister der Wespen, die Hornissen, gesorgt. „Wir haben schon einige Anrufe bekommen, weil die Hornissen bereits häufig beobachtet wurden“, berichtet der inatura-Mitarbeiter. Die Wespen werden das auch tun, sobald der Sommer in seine Spätphase tritt. Davon ist Gort überzeugt. Denn was für Fliegen, Mücken und Ameisen gilt, gilt auch für die Süß-Süchtigen: Sie haben den Winter gut überstanden.

Bei den Mücken haben viele Adulte den Winter überlebt.

Matthias Gort
Machen sich gerne über Fleisch her: Fliegen.  Foto: dpa
Machen sich gerne über Fleisch her: Fliegen. Foto: dpa
Ameisen sind bereits in großer Zahl vorhanden und aktiv.  Foto: dpa
Ameisen sind bereits in großer Zahl vorhanden und aktiv. Foto: dpa
Stechmücken werden uns bald beglücken. Foto:dpa
Stechmücken werden uns bald beglücken. Foto:dpa