Anzeigen wegen Verdachts der illegalen Einfuhr von Gülle

Vorarlberg / 14.06.2016 • 22:52 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Es dampft und raucht ein Misthaufen in Lustenau, der auch aus der Schweiz eingeführten Hühnermist enthalten soll. Foto: privat
Es dampft und raucht ein Misthaufen in Lustenau, der auch aus der Schweiz eingeführten Hühnermist enthalten soll. Foto: privat

Verfahren gegen Landwirte, die Schweizer Gülle auf Wiesen verbracht haben sollen.

Schwarzach. Am Anfang waren es nur Verdachtsmomente: Ganze Fuhren von Biogasabfällen sollen illegal aus der Schweiz nach Vorarlberg eingeführt worden sein, und zwar unbemerkt über das Zollamt Schmittern (die VN berichteten). Weil einiges von diesen angeblich überschüssigen Gärresten mit Gülle von Landwirten auf Hohenemser Wiesen verbracht wurde, lief unter anderem der dortige Vizebürgermeister Bernhard Amann Sturm und forderte Aufklärung.

Doch Norbert Greber, Leiter der zuständigen Veterinärabteilung im Land, hatte bereits damals reagiert. Es wurde ein offizielles Ersuchen an die Schweizer Kantonalbehörde eingereicht, um die Angelegenheit zu klären. Im Mittelpunkt die Fragen: Handelte es sich um illegale Einfuhren oder Material der sogenannten Kategorie 3 aus Nahrungsmittelresten, für das es keine Einfuhrgenehmigung braucht?

Die Nachforschungen förderten inzwischen ein überraschendes Ergebnis zutage. Laut Information der Diepoldsauer Firma, von der die Einfuhren stammten, handelte es sich um bedenkenlose Gärreste der Kategorie 3.

Falsche Behauptung

Eine Behauptung, die die Vorarlberger Veterinärabteilung jedoch widerlegen konnte. Man hatte mit der betreffenden Firma Kontakt aufgenommen und gelangte dabei zu einer Liste mit Ingredienzen, mit denen die Abfälle garniert waren. „Darunter eben auch Gülle, die zur Kategorie 2 zählt und deshalb eine Einfuhrgenehmigung benötigt“, bestätigte Greber gegenüber den VN, jedoch nicht ohne hinzuzufügen: „In dieser Angelegenheit beißen sich die Rechtsansichten. Wir sagen jedenfalls Stopp zu solchen Einfuhren.“

Der Schweizer Betrieb wurde unter Androhung einer Anzeige aufgefordert, entsprechend zu reagieren. Der Veterinärchef bestätigte auch, dass gegen einzelne Landwirte bereits Anzeigen wegen der illegalen Einfuhr erstattet worden sind und Verfahren laufen. „Doch bis diese Verfahren abgeschlossen und Fehlverhalten nachgewiesen worden sind, gilt die Unschuldsvermutung“, stellt Greber klar.

Unerlaubter Hühnermist?

Inzwischen liegen den VN Bilder von Misthaufen auf einer Lustenauer Wiese vor, die ebenfalls aus der Schweiz eingeführt worden sein sollen und angeblich Hühnerdung enthalten, so ein Informant. Auch dies wäre illegal, da in Vorarlberg kein Hühnermist als Dünger geduldet wird. Für den Boden ungefährlich ist nämlich nur ein zu Pellets gepresster und somit trockener Hühnerdung, was hier jedoch nicht der Fall zu sein scheint.

Greber hingegen liegen bisher nur Informationen vor, dass angeblich Mist aus eidgenössischen Gefilden auf Vorarlberger Boden gelandet sei, von Hühnerdreck sei ihm noch nichts zu Ohren gekommen.

In dieser Angelegenheit beißen sich die Rechtsansichten.

Norbert Greber
VN-Bericht vom 3. Mai 2016.
VN-Bericht vom 3. Mai 2016.