„Er war ein Soldat, der im Krieg nur seine Pflicht getan hat“

Vorarlberg / 24.06.2016 • 22:27 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Der 36-jährige Angeklagte bekannte sich vor dem Geschworenensenat am Landesgericht nur „teilweise schuldig“. Foto: VN/Sohm
Der 36-jährige Angeklagte bekannte sich vor dem Geschworenensenat am Landesgericht nur „teilweise schuldig“. Foto: VN/Sohm

Freispruch für 36-Jährigen, der KZ-Mörder eine Tapferkeitsmedaille vergönnte.

Feldkirch. Wegen seiner Beteiligung an der Ermordung von 300.000 Juden im KZ Ausschwitz wurde im Juli 2015 der ehemalige SS-Buchhalter Oskar Gröning zu vier Jahren Haft verurteilt. Offenbar zum Entsetzen eines 36-jährigen türkischen Staatsbürgers. Der postete in einem Vorarlberger Internetportal seine Meinung zum Urteil: „Der Mann hätte eine Tapferkeitsmedaille verdient. Die Juden bringen jeden Tag 300.000 Menschen um.“ Jemand zeigte ihn dafür an.

Mit der Konsequenz, dass Kriminalisten seine Wohnung im Vorarlberger Unterland auf den Kopf stellten. Allerdings fanden sie dabei keinerlei Material, das auf eine rechtsextreme Gesinnung des Verdächtigen hinweisen könnte. Dennoch: Für eine Anklage wegen des Verbrechens nach dem Verbotsgesetz reichte das Posting allein.

„Teilweise schuldig“

Vor dem Geschworenensenat am Landesgericht Feldkirch bekennt sich der bereits fünffach vorbestrafte Angeklagte „teilweise schuldig“. Immerhin. Aber eine Bestrafung sieht er dennoch nicht ein. „Ich habe keine Ahnung, was ich mir dabei gedacht habe“, rechtfertigt er sich, um dann noch exakter zu werden: „Ich habe mir dabei gar nichts gedacht.“

„Aber wenn man sich dabei gar nichts denkt, kann man auch gar nichts darüber schreiben“, hält ihm Richterin Angelika Prechtl-Marte entgegen. Doch der Beschuldigte stellt sich als ein unwissender Mensch dar. Den Ort Ausschwitz siedelt er „irgendwo in Deutschland“ an, wo man viele Gefangene hingebracht hätte. Und zur Person Gröning meint er, dass er „ein Soldat war, der im Krieg nur seine Pflicht getan hat“. Aber fürs „Menschen umbringen“ habe er, der Angeklagte selbst, kein Verständnis.

Wie er denn zu der Behauptung käme, dass „Juden jeden Tag 300.000 Menschen umbringen“, will die Richterin von dem 36-Jährigen wissen. „Ich war damals in der Türkei“, erwidert der Angesprochene, „und die türkischen Medien berichten anders als die Medien hier. Jeden Tag hört man da was vom Krieg zwischen Israel und Palästina“, erklärt er eine mögliche Beeinflussung.

„Schon einmal etwas gehört“

Bezüglich des Völkermordes durch die Nationalsozialisten kenne er keine Hintergründe. Von einer Judenvernichtung habe er aber schon einmal gehört. „Was man halt so in der Schule lernt“, sagt er, „und auch von einem Film her.“ Alles zu wenig für einen Schuldspruch, entscheiden die Geschworenen nach einer eineinhalbstündigen Beratung.

Begründung für den Freispruch: „Keine Widersprüche in den Angaben des Angeklagten.“