Ärger um teure Schaltertickets

Vorarlberg / 26.06.2016 • 19:51 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Wer ins Internet schaut, kann auf der Schiene sparen. Foto: ÖBB
Wer ins Internet schaut, kann auf der Schiene sparen. Foto: ÖBB

Bahnkunde zahlte am Schalter doppelt so viel wie im Internet. Die ÖBB erklären.

Dornbirn. Peter B. (76) ärgerte sich kürzlich über die Preispolitik der ÖBB. Als er in Dornbirn zum Bahnschalter ging, um eine Fahrt für vier Personen erster Klasse nach Wien und zurück zu buchen, verlangte er ausdrücklich den günstigsten Tarif. Der Schaltermitarbeiter empfahl ihm, mit der Vorteilscard (VC) zu fahren, um damit 50 Prozent Rabatt auf die Tickets zu bekommen. B. und seine Frau haben die VC bereits. Für seine Tochter und den 16-jährigen Enkel kaufte er sie neu um 99 beziehungsweise 19 Euro. Inklusive der Tickets summierte sich die Rechnung auf 726 Euro. „Als meine Tochter den Preis hörte, erschrak sie“, erzählt er.

Als der Pensionist zu Hause den Umschlag mit den Tickets öffnete, staunte er nicht schlecht. Auf dem Kuvert wurden sogenannte Sparschiene-Tickets beworben, die man auf der Internetseite der ÖBB buchen könne. In der Tat fand B. dort Fahrkarten, die um die Hälfte billiger waren, als die, die er gebucht hatte. Verärgert darüber, dass er am Schalter darauf nicht hingewiesen worden war, ließ er die teuren Tickets stornieren. Doch bei den Vorteilscards sei das nicht möglich, erfuhr er, und für die übrigen rund 600 Euro bekam er nur Gutscheine, die im Internet nicht einlösbar sind. Peter B. fühlte sich abgezockt. Er wunderte sich einerseits darüber, dass er nicht auf die viel billigeren Tickets im Internet hingewiesen worden war und fragte sich andererseits, warum er für die aus seiner Sicht überteuerten Tickets sein Geld nicht in bar wiederbekam.

ÖBB erklärten Tarif

Mit dem Sachverhalt konfrontiert, hatten die ÖBB ein Einsehen und gaben dem Pensionist nun doch sein Geld in voller Höhe zurück. Die Bahn nennt aber auch Gründe, warum der Schaltermitarbeiter nicht auf die Sparschiene hinwies.

ÖBB-Sprecher René Zumtobel erklärt: Der Sparschiene-Tarif ist nur online buchbar und steht nur für bestimmte Tage und Strecken und nur in einer begrenzten Anzahl von Plätzen zur Verfügung, um schlecht ausgelastete Züge zu füllen. Für die Reise, die Peter B. plante, erwies er sich jedoch als optimal. Da die Sparschiene nicht am Schalter verkauft wird, haben die Mitarbeiter dort auch keinen Überblick darüber, für welche Züge sie zur Verfügung steht. Der Schaltermitarbeiter wollte wohl den Dornbirner Senior nicht wegschicken und selbst im Internet suchen lassen, sondern bot ihm stattdessen die günstigsten Tickets an, die er anzubieten hatte. „Der günstigere Preis der Sparschiene erklärt sich zum Teil dadurch, dass der Kunde selbst das Suchen, Buchen und Ausdrucken übernimmt“, ergänzt Zumtobel.

Geld nun doch zurück

Jedoch gab es bei der Stornierung durchaus ein Missverständnis, räumt der Sprecher ein. B. habe das Geld nicht in bar erstattet bekommen, weil er mit Kreditkarte bezahlt hat. Es kann jedoch sehr wohl auf sein Konto zurückgebucht werden. Auch die Vorteilscards ließen sich noch stornieren, das ist vor dem ersten Gültigkeitstag der Karte möglich. B. hatte bislang nur zwei vorläufige Vorteilscards erhalten.

Für Peter B. hat die Geschichte ein Happy End. Er bekam mittlerweile die kompletten 726 Euro zurückerstattet. Auch ein von B. verkehrt gebuchtes Datum korrigierten die ÖBB auf Kulanz, wie Zumtobel hervorhebt. Er rät: „Wenn man weit im Voraus bucht, lohnt es sich, im Internet nach Sparschiene-Tickets Ausschau zu halten.“

Wenn man im Voraus bucht, lohnt es sich, im Internet nach Sparschiene-Tickets zu suchen.

René Zumtobel