Kriegsbeginn im Nachbarland

Vorarlberg / 26.06.2016 • 18:16 Uhr / 5 Minuten Lesezeit

Mit dem Zehn-Tage-Krieg in Slowenien 1991 nahm der Zerfall Jugoslawiens seinen Anfang.

Heidi Rinke-Jarosch

Ljubljana, schwarzach. 35 Jahre lang hat Josip Bros Tito Jugoslawien zusammengehalten. Als er am 4. Mai 1980 starb, begann es in dem föderalistischen Staatenbund am Balkan zwischen den Volksgruppen zu brodeln. Elf Jahre später, am 25. Juni 1991, beschlossen Slowenien und Kroatien ihre Unabhängigkeit von Jugoslawien – gegen den Willen der Zentrale in Belgrad sowie der EG (Europäischen Gemeinschaft) und der USA, mit Unterstützung der deutschen und österreichischen Regierung.

Am 26. Juni besetzten slowenische Milizverbände die Grenzstationen zu Österreich, Ungarn und Italien und tauschten die Schilder aus. Darauf stand nun „Republik Slowenien“ statt „Sozialistische Föderative Republik Jugoslawien“.

Am Morgen des 27. Juni 1991 wurden Einheiten der JNA (Jugoslawische Volksarmee) zu den Grenzstationen geschickt, um diese wieder unter die Kontrolle der Regierung in Belgrad zu bringen. Dabei kam es am Grenzübergang Gornja Radgona-Radkersburg zu den ersten Todesopfern. Eine kleine Gruppe Volksarmisten hatte sich mit einer hochgehaltenen weißen Fahne offensichtlich den slowenischen Milizionären ergeben, als diese das Feuer eröffneten und zwei Volksarmisten erschossen. Insgesamt wurden an diesem Tag in Slowenien 50 unbewaffnete JNA-Soldaten getötet.

Der Generalstab der JNA setzte daraufhin Kampfflieger ein. Bombardiert wurden der Flughafen von Ljubljana sowie Grenzstationen. Auf österreichischer Seite entsandte das Verteidigungsministerium etwa 3500 Bundesheer-Soldaten an die Staatsgrenze.

Nachdem Sloweniens Präsident Milan Kucera umgehend einen Waffenstillstand aushandelte, wurde der Slowenienkrieg nach zehn Tagen, am 7. Juli 1991, durch die Unterzeichnung des Brioni-Abkommens beendet. Bilanz: ca. 60 Tote, 150 Verletzte.

Ende Juli 1991 begann der Kroatienkrieg. Gekämpft wurde hauptsächlich in jenen Gebieten, die mehrheitlich von Serben bewohnt waren. Dazu zählt vor allem Slawonien. Schwere Kämpfe gab es auch in Dalmatien, vor allem zwischen Zadar und Dubrovnik. Ein Waffenstillstand wurde am 2. Jänner 1992 bestimmt. Die Kontrolle über sein gesamtes Staatsgebiet erlangte Kroatien erst im August 1995 wieder. Bilanz: ca. 12.000 Tote, 33.000 Verletzte, 3000 Verschollene.

Im März 1992 weitete sich der Krieg auf Bosnien-Herzegownia aus. Er dauerte fast vier Jahre und forderte 80.500 Tote sowie 17.000 Vermisste. Aus diesem ex-jugoslawischen Teilstaat kamen die meisten Flüchtlinge nach Vorarlberg.

Miese Stimmung

In Slowenien, wo alles begonnen hat, regiert heute, 25 Jahre später, der große Katzenjammer. Eine Mehrheit der Bevölkerung ist unzufrieden mit dem was ihr Staat leistet. Die miese Stimmung hat nach Ansicht von Beobachtern mit dem politischen Dauerstreit zu tun. Wirtschaftlich hat sich das junge EU-Land indes erholt.

Am 26. Juni 1991 tauschten slowenische Milizverbände die Schilder an den Grenzstationen aus. Der Jugoslawienkrieg begann am Tag darauf und weitete sich im Frühjahr 1992 auf Kroatien und Bosnien aus. Fotos: APA, HRJ
Am 26. Juni 1991 tauschten slowenische Milizverbände die Schilder an den Grenzstationen aus. Der Jugoslawienkrieg begann am Tag darauf und weitete sich im Frühjahr 1992 auf Kroatien und Bosnien aus. Fotos: APA, HRJ
VN-Bericht vom 28. Juni 1991.
VN-Bericht vom 28. Juni 1991.

Chronologie 1991-1999

Juni 1991: Slowenien und Kroatien erklären ihre Unabhängigkeit von Jugoslawien. Der Zehn-Tage-Krieg in Slowenien beginnt und damit der Zerfall des Staates Jugoslawien.

Juli 1991: Krieg bricht in Kroatien aus. Gekämpft wird hauptsächlich in den mehrheitlich von Serben bewohnten Gebieten.

September 1991: Krieg bricht in Mazedonien aus.

Jänner 1992: Waffenstillstand in Kroatien.

April 1992: Nach der Unabhängigkeitserklärung Bosniens brechen im ganzen Land Kämpfe aus.

Oktober 1992: In Bosnien beginnt der Krieg im Krieg zwischen Muslimen und Kroaten und dauert ein halbes Jahr.

Februar 1994: Erstmals greift die Nato ein und schießt serbische Flugzeuge ab.

Juli 1995: Bosnisch-serbische Truppen erobern die UNO-Schutzzone Srebrenica. Bis zu 8000 muslimische Männer werden ermordet.

August 1995: In zwei Blitzkriegen erobert die kroatische Armee die UNO-Schutzzonen in Kroatien.

November 1995: In Dayton (USA) wird der Friedensvertrag für Bosnien abgeschlossen, der Krieg beendet. Das Land wird in die zwei weitgehend autonomen Einheiten, Muslimisch-kroatische Föderation und Serbische Republik, aufgeteilt.

Februar 1998: Im Kosovo beginnen Kämpfe zwischen UCK und  serbischer Armee.

März 1999: Die Nato bombardiert 78 Tage lang Serbien und Montenegro.

Juni 1999: Der Kosovo wird UN-Protektorat.