Mit Musik Brücken für die Integration bauen

Vorarlberg / 04.07.2016 • 18:24 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Rund 40 Flüchtlinge aus Afghanistan, Syrien, Irak, Nigeria, Yemen kommen regelmäßig zu den Chorproben in Feldkirch. Foto: etu
Rund 40 Flüchtlinge aus Afghanistan, Syrien, Irak, Nigeria, Yemen kommen regelmäßig zu den Chorproben in Feldkirch. Foto: etu

Kontaktchor feiert beim Flüchtlingsfest in Feldkirch das einjährige Bestehen.

Feldkirch. (etu) In der Küche des Schulbrüderheims hat Ulrich „Gaul“ Gabriel erstmals zum gemeinsamen Singen aufgerufen. Schnell fand die Freizeitbeschäftigung großen Anklang bei den Asylwerbern. So musste aus Platzgründen ins Theater am Saumarkt ausgewichen werden, wo seither wöchentlich geprobt wurde. Bis zum großen Flüchtlingsfest im Reichenfeld, wo der Chor erstmals auf der Bühne stand. „Es war ein bedeutender Moment für uns alle“, merkt Gabriel an.

Mittlerweile zählt der Chor 30 bis 50 aktive Mitglieder, die landesweit die Zuhörer begeistern. Im Vordergrund steht nicht die stimmliche Überzeugung, sondern viel mehr der Beweis, dass Asylwerber großes Interesse an der europäischen Kultur haben. Neben Projektleiter Gabriel wirken auch Brigitte Theisen (organisatorische Leitung), Barbara Bohle (lokale Verbindung) und Ulrich Rein (Ukulele) mit. Träger des „Kontakt Chors“ ist der Verein „Aktion MitArbeit“. „Durch die Proben sind regelmäßige Treffen und Freundschaften entstanden, Lernhilfe-angebote wurden gesucht und gefunden, Unterstützung und Begleitung bei Besuchen von Ämtern oder Ärzten sowie bei der Wohnungssuche wahrgenommen und gemeinsam Freizeitaktivitäten unternommen“, sagt Theisen.

Sprache anwenden

Der Kontakt zu Vorarlbergern soll den Flüchtlingen zudem helfen, ihre Deutschkenntnisse anzuwenden und ist Anreiz, die Sprache noch besser zu lernen. Zudem werden durch den regelmäßigen Chor-ablauf Werte vermittelt und gelebt: Pünktlichkeit, Verlässlichkeit oder Kontinuität. Eine Anwesenheitsliste mit Stempelkarte wird geführt – volle Karten können gegen Zeugnisse eingetauscht werden. Gabriel appelliert auch an die heimische Bevölkerung, mitzumachen: „Flüchtlinge haben wir schon genug im Chor“, scherzt der Musiker.

Feier zum Einjährigen

Was im Sommer 2015 mit einer Handvoll Menschen in der Küche begann, trägt inzwischen zu einer gelingenden Integration bei. Deshalb rückt die Stadt Feldkirch beim heurigen Flüchtlingsfest den Begegnungschor in den Mittelpunkt. Morgen, Mittwoch, steigen ab 17 Uhr bei guter Witterung die Feierlichkeiten am Vorplatz des Theaters am Saumarkt. Gemeinsam feiern, essen, singen, tanzen und eine gemütliche Zeit verbringen, lautet das Motto. „Feste sind immer eine gute Gelegenheit, sich auszutauschen, in Kontakt zu kommen und Menschen zu treffen, die in derselben Stadt leben. Wir möchten Asylsuchende und Flüchtlinge in Feldkirch willkommen heißen und die Möglichkeit geben, sich kennenzulernen“, meint Bürgermeister Wilfried Berchtold. „An diesem Abend wird das neue, 30 Lieder umfassende Textbuch des Kontaktchores präsentiert, Bilanz gezogen und das Herbstprogramm vorgestellt“, erzählt Brigitte Theisen vom Kontaktchor. Als besondere Musikeinlage lädt der Chor den Setar-Spieler und iranischen Sänger Hamid Mehregan ein.

Der erste Auftritt war ein sehr bedeutender Moment.

Ulrich Gabriel

Kontaktchor

» Mitglieder: 25 bis 40 Flüchtlinge aus Afghanistan, Syrien, Irak, Nigeria, Yemen und 20 Vorarlberger waren bei den 63 Chor-Treffen, 41 Proben und 21 Auftritte.

» Proben: jeden Montag, 19 Uhr, im Ifs, jeden ersten Montag im Monat Offenes Singen im Saumarkt