Ökologisch zu bauen heißt kostengünstiger zu wohnen

Vorarlberg / 10.07.2016 • 19:01 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Ökologisch bauen mit Holz. VN
Ökologisch bauen mit Holz. VN

Bauen im Ökokreislauf schafft Win-win-win-Situation für Mensch, Umwelt und Klima.

bregenz. Das Vorurteil, dass energieeffizientes Bauen mit ökologischen Materialien teuer sei, ist falsch. Das zeigen Analysen auf Basis tatsächlicher Kosten. Zwar sind die Errichtungskosten für Gebäude mit minimalstem Energieverbrauch etwas höher, doch die Einsparungen bei Betriebs- und Energiekos­ten gleichen das mehr als aus. Energieeffizient errichtete Gebäude sind die wirtschaftlichsten mit den geringsten Gesamtkosten.

Kostenwahrheit

„Das mit Vogewosi und Arbeiterkammer durchgeführte und von der Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) geförderte Forschungsprojekt „Klimagerechter Nachhaltiger Wohnbau“ (KliNaWo) zeigt, dass die baulichen Mehrkosten von Gebäudevarianten bei 75 Prozent Einsparung für Heizung, Warmwasser sowie Hilfsstrom für Heizung und Lüftung bei etwa vier bis sechs Prozent liegen“, bestätigt der Chef des Energieinstituts, Architekt DI Martin Ploß. „Diese geringen Mehrkosten werden im Lebenszyklus durch die verringerten Energiekosten mehr als ausgeglichen. Dies gilt schon ohne Berücksichtigung von Förderungen und erst recht, wenn Förderprogramme wie die Wohnbauförderung (WBF) oder die Energieförderung des Landes in Anspruch genommen werden können. Wirtschaftlichkeit muss langfristig betrachtet werden: Wer heute ein Haus baut oder eine Wohnung kauft, zahlt etwa 35 Jahre Kredite zurück und wohnt etwa 40 bis 50 Jahre in dem Gebäude. Jedes Wohngebäude sollte daher so optimiert werden, dass es in dieser Nutzungsphase die geringsten Gesamtkosten für Errichtung, Wartung und Energie hat. Wie die KliNaWo-Studie zeigt, ist dies der Fall, wenn das Gebäude in besserem Energiestandard errichtet wird, als in den staatlichen Mindestanforderungen oder in den Mindestanforderungen der WBF festgelegt ist.“

Leistbares Wohnen

„Österreich ist derzeit zu mehr als 60 Prozent von Energieimporten abhängig“, informiert Ploß. „Daher muss für die angestrebte Energieautonomie die heimische Erzeugung erneuerbarer Energien aus Wasser, Sonne, Biomasse und Wind deutlich gesteigert und der Energieverbrauch drastisch gesenkt werden.“ Für den Experten sind folgende Trends absehbar: Der Anteil der wärmepumpenbeheizten Gebäude wird hauptsächlich im Neubau zunehmen, später auch in der Sanierung. Auch Biomasse und Biomasse-Nahwärme werden eine Rolle spielen, die Ausbaupotenziale sind jedoch begrenzt. Der Anteil des Energieträgers Öl wird zurückgehen. In Dänemark sind Ölheizungen im Neubau verboten. Das Erdgasnetz und die großen vorhandenen Gasspeicher könnten in Zukunft dazu genutzt werden, aus sommerlichen PV-Stromüberschüssen synthetisches Gas herzustellen und für den Winter zu speichern. Die aktive Solarenergienutzung wird zunehmen, vor allem in der Photovoltaik.“

Ökologischer Kreislauf

Schon heute wird in Vorarlberg der Herstellungsenergieaufwand automatisch per Energieausweis berechnet, „bisher allerdings nur für die Bauteile der Gebäudehülle“, sagt Ploß. „In der Zukunft wird die Berechnung für das Gesamtgebäude inklusive Haustechnik erfolgen. Das ermöglicht optimale Energieeinsparung bei Herstellung und Betrieb für den gesamten Lebenszyklus. Vergleiche zeigen, dass der Energieaufwand für die Herstellung von Dämmstoffen schon in wenigen Monaten durch verminderten Energieverbrauch im Betrieb ausgeglichen wird.“

Ein weiteres Bewertungskriterium sind laut Ploß gesundheits- oder umweltschädigende Substanzen in Bauprodukten. „In vielen Nachhaltigkeitsbewertungssystemen werden diese Aspekte berücksichtigt, in Ansätzen auch in der WBF Vorarlberg. Größte Bedeutung haben Recycling und Rückbaueigenschaften von Gebäuden. So wird etwa im ,Entsorgungsindikator‘ bewertet, wie gut sich einzelne Bauteilschichten für Weiternutzung und Recycling trennen lassen.“

Bewusstseinsbildung

Lenkungsförderungen gibt’s bei der WBF – etwa den Bonus für Holzfenster –, die umfassende Nachhaltigkeitsbewertung wurde im Rahmen der WBF-Vereinfachung 2014 allerdings abgeschafft, informiert Ploß. „Bewusstseinsbildung findet in vielfältiger Weise statt, so etwa mit Bürgerbildungsveranstaltungen zu Themen wie Lehmbau oder Auswahl der Heizsysteme, aber auch durch die Aufbereitung von Forschungsergebnissen, etwa aus dem KliNaWo-Projekt. Für Fachplaner gibt es Weiterbildungsangebote des EIV zu Themen wie Kosten und Wirtschaftlichkeit, Holz- und Massivbau, Energiekonzepte, Optimierung des Herstellungsenergiebedarfs. Zudem sind zahlreiche Info-Broschüren erhältlich.“

Ökologisch bauen spart Energie und ist mehr als rentabel.

martin ploss

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