12.000 Kilo Reis für Erdbebenopfer

Vorarlberg / 20.07.2016 • 19:51 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Der Nüziger Wolfgang Bartl (M.) wird in den Dörfern im Kathmandu-Tal herzlich willkommen geheißen. FOTOS: Let the children walk
Der Nüziger Wolfgang Bartl (M.) wird in den Dörfern im Kathmandu-Tal herzlich willkommen geheißen. FOTOS: Let the children walk

Nepalesen brauchen weiter Hilfe aus Vorarlberg. Wiederaufbau geht schleppend voran.

Heidi Rinke-Jarosch

NÜZIDERS, KAThMANDU. „8000 Kilo Reis konnten wir bereits im Vorfeld organisieren“, berichtet Wolfgang Bartl, Obmann der Vorarlberger Organisation „Let the children walk“. Vor Kurzem war er wieder einmal nach Nepal gereist, um vor Ort seine Hilfsprojekte persönlich zu betreuen. Der 52-jährige Nüziger – er ist Schlosser, Lehrlingsausbilder sowie Ausbildungsleiter der Bergrettung Vorarlberg – unterstützt seit Jahren in dem Land am Himalaya mit „Let the children walk“ ein Kinderspital, und seit den Erdbeben Ende April 2015 betreibt er das „Projekt Wiederaufbau“.

Die Nepalesen leiden nach wie vor an den verheerenden Folgen der Bebenkatastrophe, die fast 8000 Menschenleben und 22.300 Verletzte gefordert hatte. Der Wiederaufbau in den betroffenen Gebieten geht nur schleppend voran. Zudem hat die letzte, ziemlich dürftige Reisernte eine Hungersnot ausgelöst.

Noch am Ankunftstag in Nepal verlud Bartl mit seinem Team die Reissäcke, die zur Verteilung im Kathmandu-Tal bestimmt waren, auf die Transportfahrzeuge. „In der Gemeinde Gumbadanda im Kathmandu-Tal leben 200 Familien, in Rhamche sind es 300 und in Branche 71 Familien“, erklärt Bartl. Das habe ihn veranlasst, die Anzahl der Reissäcke von ursprünglich 400 auf 600 zu erhöhen, damit jede Familie zumindest einen 20-Kilo-Sack erhält.

Bau von Schulen

Nach der Reisverteilung seien dann noch mit der Leitung der Volksschule von Gumbadanda die geplanten Baumaßnahmen besprochen worden. „Wir werden bei dieser kleinen Dorfschule einen Zubau von zwei notwendigen Räumen finanzieren“, informiert Bartl. Der Neubau soll im November eröffnet werden. Im Übrigen seien in Gumbadanda aufgrund der letzten Spende viele Häuser neu gebaut oder saniert worden.

Auf dem dichten Arbeitsprogramm des Teams stand auch die Suche nach einem geeigneten Platz für den Bau einer Nähschule. Bartl: „Der Bau wurde genau geplant. Mit einer Zeichnung und dem Standort starteten wir die ersten Vorbereitungen.“ Auch die Nähschule soll im November stehen. Ab dann werden dort die ersten acht Mädchen den Beruf der Schneiderin erlernen. „Das Unterrichtsmaterial – acht Nähmaschinen, eine Overlock sowie Zubehör – ist bereits im Keller eines einheimischen Freundes gelagert“, sagt Bartl.

Inzwischen wurde auch das Hilfsprojekt „Ohne Rauch“ in Angriff genommen. Dabei handelt es sich um die Installation von einfachen Metallöfen mit Kaminabzug und Holzfeuerung. „Die Menschen in Nepal brauchen sichere und raucharme Kochstellen“, betont Bartl. Geplant ist vorläufig die Bereitstellung von 200 Öfen.

„Etwas ganz Besonderes war schließlich das Treffen mit unserem Patenkind Bimalla“, erinnert sich Bartl. Das Mädchen wurde vor vier Jahren im Hospital and Rehabilitation Centre for dis­abled Children“ (HRDC) in Banepa – dem von „Let the children walk“ unterstützten Kinderspital – behandelt. Der damals 13-Jährigen mussten beide Beine knapp unter den Knien amputiert werden. „Ich habe Bimalla einen Tag nach ihrer Operation am Krankenbett kennengelernt. Sie lag als einziges Kind ohne Begleitung im Spital.“ Bartl versprach dem Mädchen Unterstützung.

Glückliches Patenkind

„Bimalla ist nun 17 und hat die Schule mit guten Noten beendet. Nun haben wir für sie einen Studienplatz gefunden, den wir – inklusive Unterkunft und Essen – finanzieren. Ich habe nie zuvor ein so glückliches Mädchen gesehen.“ Übrigens habe Bartl vom Sanitätshaus Gell in Feldkirch die Zusage erhalten, dass dieses für Bimalla Beinprothesen zum Selbstkosten-Preis herstellen wird.

Der Dorfbewohner freut sich über den 20-Kilo-Reissack, den er von der Vorarlberger Hilfsorganisation erhielt.
Der Dorfbewohner freut sich über den 20-Kilo-Reissack, den er von der Vorarlberger Hilfsorganisation erhielt.

Benefiz-Open-Air

Let the children walk

Dia- und Filmvortrag
von Wolfgang Bartl

» Zeit: Donnerstag, 28. Juli 2016,
ab 20 Uhr

» Ort: Nüziders, beim Sonnenbergsaal

» Eintritt: freiwillige Spenden

» Spendenkonto: Raiffeisenbank Bludenz-Montafon IBAN: AT793746800001445139,
BIC: RVVGAT2B468