Ehepaar soll Welpen gequält und vernachlässigt haben

20.07.2016 • 20:35 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Yorkshire-Terrier sind aufgeweckte Tiere, aber man muss sich gut um sie kümmern. Foto: VN/Hofmeister
Yorkshire-Terrier sind aufgeweckte Tiere, aber man muss sich gut um sie kümmern. Foto: VN/Hofmeister

Böswilligkeit oder Überforderung? Pen­sionisten wegen Tierquälerei vor Gericht.

Christiane Eckert

Feldkirch. Wieder einmal beschäftigt das Landesgericht Feldkirch ein Fall von Tierquälerei. Ein Rentnerpaar – er 66, sie Mitte 50 – ließen einem Yorkshire-Welpen ein Hundehalsband dermaßen tief einwachsen, dass das Tier an zwei Drittel des Halses offene Wunden und übelriechende Wucherungen hatte. Durch Stauungen war der Hals angeschwollen, die drei Monate alte Hündin muss fürchterlich gelitten haben. „Ich habe den Herrschaften angesehen, dass sie mit einem Hund nicht zurande kommen“, erinnert sich eine Zeugin an das Paar. Der Mann ist äußerst gebrechlich, hat vier Hirnschläge hinter sich und wirkt wirr. Seine Frau ist zierlich, auf den Mund gefallen ist sie aber nicht. Richter Richard Gschwenter muss richtig laut werden, weil sie ständig dazwischenredet. Ständig hat sie Entschuldigungen wie „Die Verkäuferin hat das Halsband zu eng zugemacht.“ Sich selbst sieht sie völlig unschuldig.

Angeblich nichts gemerkt

Als das Paar in einem Supermarkt einkaufen war, fiel der Zeugin auf, dass der Hund sich ständig kratzte. Die Frau, die selbst einen Hund besitzt, hob den fremden Welpen hoch. „Da lief mir schon der Eiter und das ganze Wundsekret aufs T-Shirt“, erzählt die Feldkircherin. Sie schickte einen anderen Passanten eine Schere holen und schnitt das einschnürende Nylonband kurzerhand herunter. Der beherzten 52-Jährigen ist es zu verdanken, dass die Polizei den wimmernden Welpen endlich zum Tierarzt fahren und dort behandeln lassen konnte. Das Rentnerpaar selbst hat kein Auto.

Verwahrlost

Die beiden Angeklagten werden von Staatsanwalt Heinz Rusch zur Rede gestellt: „Das gibt es ja nicht, dass Sie nichts bemerkt haben, das Gewebe war ja schon am verfaulen!“ Auch die Zeugin kann sich so etwas nicht erklären. „Das muss ja in der Wohnung gestunken haben“, wundert sie sich. „Ich dachte, der Gestank kommt vom Hundefutter, ich wollte deshalb eh zum Tierarzt“, meint die redselige Angeklagte scheinheilig. Im Fachgeschäft hat man dem Rentnerpaar angeblich gesagt, dass das Geschirr momentan zwar genau passe, der Hund aber bald ein neues, größeres brauche. „Das ist gelogen“, behauptet die Rentnerin, die den kleinen Hund geschenkt bekommen hat. Nun wird die Verkäuferin geladen. Ob sie sich noch erinnern kann, bleibt abzuwarten.

Der Hund wurde den beiden jedenfalls weggenommen und von der Behörde auf einen Pflegeplatz gegeben. „Wir wollen sicher kein Tier mehr“, versichern die Rentner. Dies ist aber auch der einzige Punkt, der in diesem Verfahren positiv stimmt.

Die Verkäuferin hat das Halsband zu eng zugemacht.

Die Angeklagte