Widersprüche nach Raufhandel

Vorarlberg / 20.07.2016 • 22:35 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Rabiater Gast und Türsteher gerieten aneinander. Doch die Zeugenaussagen sind widersprüchlich.

Bregenz. (VN-pes) Minutenlang denkt Richter Christian Röthlin schweigend nach, mit einer Hand in der Akte blätternd, in der anderen das Diktiergerät zum Protokollieren auf Stopp. Schließlich steht fest: Heute wird es kein Urteil geben, es muss noch eine Zeugin vernommen werden.

Verhandelt wurde zuvor ein Fall, wie er sich so ähnlich wohl öfters in Vorarlberg zuträgt: Ein Disco-Gast will sein Hausverbot nicht einsehen, es kommt zum spätnächtlichen Streit mit den Securitys und schließlich zu Tätlichkeiten. Angeklagt ist ein Sicherheitsmitarbeiter, der den Gast verletzt haben soll. Eine Zeugin, die keinen von beiden persönlich kennt, belastet den Sicherheitsmitarbeiter schwer, doch die Zeugenaussagen geben kein klares Bild von den Geschehnissen.

Es war eine kalte Dezembernacht, in der der 42-jährige Angeklagte Dienst an der Tür hatte. Da wurden zwei junge Männer von seinen Kollegen des Lokals verwiesen, einer von ihnen wollte das nicht einsehen. „Er hat einen riesen Zinnober gemacht“, erinnert sich der Türsteher. Was in der Folge geschah, das ließ sich anhand der Zeugenaussagen nicht in allen Details klären.

Fest steht, dass es zu Handgreiflichkeiten zwischen dem Sicherheitsmitarbeiter und dem Gast kam, der Angeklagte gibt zu, ihn auch auf den Boden gedrückt zu haben, ehe er die Polizei rief. Doch danach, gibt der Angeklagte an, sei er von der Schwester des Gastes von hinten attackiert worden. Sein Bruder, ebenfalls Securitymitglied, habe die Frau dann zur Seite genommen und in ein Auto gesetzt, zuvor sei sie noch gefallen.

Neutrale Zeugin

Diese Momente hat eine 39-jährige Zeugin, die mit dem Auto zur Disco kam, um ihre Tochter abzuholen, ganz anders in Erinnerung. Sie will gesehen haben, wie der Angeklagte dem rabiaten Gast einen Kopfstoß verpasst hat, der sich auch im Anklagevorwurf wiederfindet. Sein Bruder soll indes die Schwester nicht nur zur Seite genommen, sondern über den Kies geschleift haben. Die Zeugin will dann den Männern gedroht haben, sie anzuzeigen. „Wem glaubt man wohl eher, dir oder uns?“, habe sie zur Antwort bekommen. Die 39-Jährige ist mit keinem der Beteiligten persönlich bekannt, darf also als neutral gelten. Doch sie sprach zunächst von drei Securties, andere Zeugen von einem, die Brüder wollen zu zweit gewesen sein, um nur einen der Widersprüche in den Aussagen zu nennen.

Die Fragen ließen sich bei der Verhandlung nicht gänzlich klären, der Bezirksanwalt beantragte die Ladung einer weiteren Zeugin, die bislang noch unbekannt ist. Damit geht es im September in eine weitere Runde.