Verletztem Radler nicht geholfen

21.07.2016 • 20:40 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Eine Autofahrerin rammte einen Fahrradfahrer, will aber nichts bemerkt haben.

Bregenz. Ein Fahrradfahrer, der in Lauterach auf dem Weg zur Arbeit war, wurde vor einigen Monaten in der Dämmerung von einer Autofahrerin gerammt. Die Dame mittleren Alters kam wohl in einem Moment der Unaufmerksamkeit vom Weg ab und streifte den Radfahrer, sodass er stürzte und sich verletzte. So weit, so unstrittig. Ihre Versicherung beglich die Arztkosten bereits. Nun musste sich die Frau aber noch wegen eines anderen Delikts vor dem Bezirksgericht verantworten, das Richter Christian Röthlin in einer Frage formulierte: „Hat sie es auch versäumt, Hilfe zu leisten?“ Der Richter beantwortete diese Frage letztlich mit Ja und verurteilte die Frau einer Geldstrafe von 100 Tagessätzen, die wegen des geringen Einkommens der Frau mit je vier Euro zu Buche schlagen.

Kollege war Zeuge

Ein Arbeitskollege des Opfers, der zu Fuß unterwegs war, hatte den Unfall miterlebt. Er gab an, der Fahrradfahrer sei mit eingeschaltetem Licht unterwegs gewesen. „Das Auto fuhr vor mir, plötzlich machte es einen Schlenker nach rechts“, erinnert sich der 44-Jährige. „Dann sah ich, wie jemand am Boden lag. Der Kranfahrer erkannte seinen Arbeitskollegen, half ihm auf, aber merkte sich noch die Autonummer. Das Auto fuhr weg, kam dann aber wieder, um erneut davonzufahren. Nach seiner Ansicht musste die Fahrerin den Unfall bemerkt haben, „der Spiegel lag ja noch am Boden“, gab er an.

Ungereimtheiten

Der Verteidiger der Angeklagten stellt das anders dar. Seine Mandantin habe keinen Fahrradfahrer gesehen, „dabei hat sie die Stelle ja auf 50 Metern abgesucht“. Er zieht zudem die Aussage des Zeugen in Zweifel. „Haben Sie das Licht am Fahrrad selbst gesehen? Bei der Polizei haben Sie das nicht angegeben“, fragte er den 44-Jährigen. Der bestand aber darauf, das Licht gesehen zu haben.

Nicht aufgepasst

Letztlich stellte Richter Röthlin fest, dass die Fahrerin wohl in einem Moment mangelnder Aufmerksamkeit den Unfall verursacht hat. „Es muss davon ausgegangen werden, dass sie den Unfall bemerkt hat“, führte er weiter aus. Somit muss sie wegen Im-Stich-Lassens eines Verletzten 400 Euro Geldstrafe plus 134 Euro Schadenersatz bezahlen. In Absprache mit ihrem Anwalt nahm sich die Angeklagte drei Tage Bedenkzeit. Das Urteil ist somit nicht rechtskräftig.

Es muss davon ausgegangen werden, dass die Angeklagte den Unfall bemerkt hat.

Christian Röthlin, RIchter