Illegale Altkleidercontainer sorgen für Ärger in Gemeinden

22.07.2016 • 20:42 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Links, mit rotem Klebeband versiegelt, ein illegaler Container. Rechts die genehmigten der Caritas. Foto: Stadt Hohenems
Links, mit rotem Klebeband versiegelt, ein illegaler Container. Rechts die genehmigten der Caritas. Foto: Stadt Hohenems

Nächtlich aufgestellte Sammelbehälter dienen wohl keinem wohltätigen Zweck.

Schwarzach, Hohenems. Sie tauchen über Nacht plötzlich auf Supermarktparkplätzen oder anderen öffentlichen Orten auf, und sie sehen vertrauenserweckend aus: illegale Altkleidercontainer. Oben findet sich ein Hinweis, was man beim Einwurf beachten sollte, und darunter ein Schild, auf dem „Altkleider und Schuhe“ zu lesen ist, daneben die Zeichnung eines fröhlichen Kleinkindes mit Teddybär. Doch wohltätigen Zwecken kommen die Klamotten wohl kaum zugute, die gutgläubige Bürger hineinwerfen. Vielmehr versuchen Unbekannte wohl, damit ein Geschäft zu machen. Die Sammelbehälter werden ohne Genehmigung in Nacht-und-Nebel-Aktionen aufgestellt.

„Abfischen ist Diebstahl“

Im Hohenemser Gemeindeblatt warnte zuletzt ein Artikel die Bürger vor den falschen Altkleidercontainern mit der Bitte, Beobachtungen oder neue Exemplare der Gemeinde zu melden. „In Hohen­ems sind uns drei Standorte bekannt“, sagt Stadtsprecher Johannes Neumayer. Die Behälter wurden vom Werkhof abgebaut. Der Abfallreferent der Stadt, Klaus Amann, sieht durch die Machenschaften Arbeitsplätze in Gefahr, die durch die Altkleidersortierung geschaffen werden. „Auch ist es so, dass Altkleider, die von Bürgern zur Sammlung abgegeben werden, als Altstoffe gelten und ab Einwurf demjenigen gehören, der diese sammeln und verwerten darf beziehungsweise dazu beauftragt ist. Ein ,Abfischen‘ stellt somit einen Diebstahl dar“, findet er drastische Worte.

Bei der Landespolizei sei man aber nicht zuständig, wie Polizeisprecher Reiner Fetz erklärt: „Die illegalen Container verstoßen gegen das Sammlungsgesetz und das ist Gemeindehoheit.“

Wieder im Kommen

Die Gemeinden haben die Altstoffsammlung über den Umweltverband organisiert. Dort kennt man die falschen Container bereits. „Speziell in den letzten zwei Monaten waren sie wieder verstärkt zu finden, etwa in Hörbranz, Hard und Götzis“, sagt Fritz Studer, GF des Umweltverbands.

Schon vor zwei Jahren sind diese Container in Erscheinung getreten. „Immer dann, wenn die Preise auf dem Altkleidermarkt wohl wieder anziehen, kommen sie wieder. Das scheint jetzt wieder der Fall zu sein“, mutmaßt er. Damals habe man zwar Anzeige erstattet, Ergebnisse gab es jedoch keine. Das lag vielleicht auch daran, dass die Landespolizei in diesem Fall nicht zuständig ist, mutmaßt Reiner Fetz. Doch wer Altstoffe sammelt, braucht nicht nur eine Genehmigung, man darf seine Container auch nicht einfach auf fremdem Grund platzieren.

Nacht-und-Nebel-Aktion

Nach Auskunft von Johannes Neumayer gibt es in Vorarlberg 260 öffentliche Containerstellplätz, hinzu kommen 140 auf Privatgrund. Findet sich ein illegaler Behälter auf einem privaten Grundstück, stellt die Gemeinde den Grundeigentümer fest. „Wir reden dann mit dem Besitzer, der in der Regel nicht damit einverstanden ist, dass ein Behälter auf seinem Grundstück aufgestellt wurde“, erläutert Fritz Studer und fügt hinzu: „Mir ist kein einziger Fall bekannt, dass ein Grundbesitzer gefragt wurde.“ Die Behälter werden stets in Nacht-und-Nebel-Aktionen aufgebaut.

Der Umweltverband hat einen Vertrag mit der Caritas geschlossen, die als Einzige in Vorarlberg Altkleidercontainer betreiben darf. Kurz gesagt kann man also festhalten: Nur Altkleidercontainer, auf denen Caritas steht, sind auch legale Container. Alle anderen wurden mutmaßlich von Betrügern aufgestellt, die Bürger mit gutem Willen hinters Licht führen. Wo die Hintermänner sind, bleibt unbekannt. Nur selten finden sich Adressen oder Telefonnummern auf den falschen Containern. Ein Indiz führt nach Deutschland, wie Klaus Amann erklärt. Denn während auf den Caritas-Containern steht, man dürfe Kleidung nur in verschlossenen Säcken einwerfen, liest man auf den illegalen Tonnen von „Tüten“.

Wir finden solche Container auch in Hard, Höchst und Götzis.

Fritz Studer, Umweltverband