Neue Mobilität für mehr Lebenszeit

Vorarlberg / 24.07.2016 • 18:43 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Christian Steger-Vonmetz: „In jeder größeren Wohnanlage sollen zukünftig Carsharing-eAutos vor der Haustüre stehen.“ Foto: caruso
Christian Steger-Vonmetz: „In jeder größeren Wohnanlage sollen zukünftig Carsharing-eAutos vor der Haustüre stehen.“ Foto: caruso

Der motorisierte Individualverkehr der Zukunft ist emissionsfrei und energieautonom.

bregenz. In einem ganzheitlich neuen und zukunftsfähigen Mobilitätsverständnis ist das Carsharing eine Möglichkeit, Ressourcen, Platz und damit Kosten zu sparen. Gleichzeitig werden soziale Kontakte gefördert. „Am liebsten bin ich mit dem Fahrrad unterwegs oder lasse mich auf längeren Strecken bequem mit dem Zug chauffieren. Auch meine Frau und die Kinder fahren nur sehr selten Auto. Gelegentlich ist ein Auto jedoch trotzdem praktisch. Doch ist es wirklich sinnvoll, einen Tiefgaragenplatz zu bauen und ein Auto zu kaufen, das 99 Prozent seiner Zeit unnütz herumsteht? Ich habe mir gedacht, da muss es doch intelligentere Alternativen geben“, erzählt der Initiator von carusocarsharing.com Christian Steger-Vonmetz. „Als wir vor gut zehn Jahren in Bregenz eine kleine Wohnanlage planten, wollte ich ein autofreies Wohnprojekt umsetzen. Autofrei heißt, die Freiheit zu haben, kein Auto besitzen zu müssen, und wenn man eines braucht, doch eines nutzen zu können. Die Verantwortlichen in der Stadt konnten sich das jedoch nicht vorstellen und haben uns die Errichtung einer Tiefgarage vorgeschrieben“, erinnert sich Steger-Vonmetz.

„Wir haben‘s einfach getan“

„Trotz Tiefgarage wollte ich es wissen: Kann Carsharing in unserer Wohnanlage funktionieren? Um es gleich vorwegzunehmen: Von den 22 Bewohnern hat nur einer ein eigenes Auto, die anderen teilen sich auch mit Nachbarn von außerhalb vier Autos. Vom E-Auto bis zum Minivan steht immer das passende Auto zur Verfügung. Doch meist sind wir aktiv unterwegs: zu Fuß, mit dem Fahrrad oder den Öffis. Der Maronihof blieb nicht das einzige erfolgreiche Carsharingprojekt. Wir unterstützen auch andere. Das fängt an bei geeigneten Versicherungslösungen, Rechtsauskünften, Kostenrechner und Mustervereinbarungen, bis hin zum elektronischen Fahrtenbuch und einem internetbasierten Buchungssystem. Insbesondere das Buchungssystem wird von allen sehr gerne genutzt. Neben aktiven Gruppen wie in Dornbirn „DO mitfahra“, Hohenems „Nibelungen“ oder Bludenz „Anthromobil“, organisieren zahlreiche Gemeinden in ganz Österreich mit unserer Unterstützung ihr Carsharing mit E-Autos.“

Schwierigkeiten machte anfangs der Organisationsaufwand: „Wir haben zwar tolle technische Lösungen entwickelt – das Auto kann mit der Chipkarte oder mit dem Smartphone geöffnet werden, und die Kilometer werden automatisch erfasst –, aber die Technik ist teuer, und wir müssen uns mit komplexen rechtlichen Fragen auseinandersetzen“, informiert Steger-Vonmetz. „Um die Unterstützung auf professionelle Beine zu stellen, habe ich im Juni 2016 gemeinsam mit Hubert Rhomberg die CARUSO Carsharing Genossenschaft gegründet. Uns war bewusst, dass alle Interessensgruppen an einem Strang ziehen müssen, damit Carsharing erfolgreich umgesetzt werden kann. Deshalb haben wir als Mitglieder der Genossenschaft vier Gruppen definiert: Privatpersonen, Unternehmen, Bauträger und die öffentliche Hand. Es freut mich sehr, dass die Genossenschaft mittlerweile breit aufgestellt ist. Zu den Mitgliedern gehören u. a. das Land Vorarlberg, der Umweltverband und der Verkehrsverbund, Rhomberg Bau und i+R Schertler, Alpla, Haberkorn, Gebrüder Weiss und die Illwerke VKW.

Auto-Bahn-Knoten für eCars

„Mit Unterstützung des Verkehrsverbunds haben wir neue ,Auto-Bahn-Knoten‘ errichtet. In der Nähe der Bahnhöfe Bregenz, Dornbirn, Feldkirch und Bludenz gibt es E-Carsharing-Standplätze mit modernen E-Autos, die für nur 2 Euro/h und 0,30 Euro/km gemietet werden können“, sagt Steger-Vonmetz, auch Gemeinden sind dabei: „Vorreiter sind die Gemeinden Hard, wo es bereits zwei Carsharingautos gibt, und Sulzberg, wo mithilfe der Pfarre gleich vier Autos zur Verfügung stehen.

Zukünftig sollen in jeder größeren Wohnanlage Carsharingautos vor der Haustüre stehen. Wie in Hard in der Wirke oder bei einem Rhomberg-Bau-Projekt in Bregenz, St. Gebhardstraße, wo wir gerade einen Vertrag unterschrieben haben. Auch die Fachhochschule und das Energieinstitut teilen. Die Mobilität von morgen wird aktiv und elektrisch und damit gesund, emissionsfrei und energieautonom, sie ist kooperativ, vernetzt sowie gemütlicher und vielfältiger als heute. Wir kombinieren eine bunte Vielfalt an Fahrzeugen von Öffis und privat. Mobilität ist in Zukunft ein Gewinn an Lebenszeit.“

Anmelden unter:
www.klima.vol.at
Infos: carusocarsharing.com
verena.steidl@carusocarsharing.com
peter.troy@carusocarsharing.com