Talarpflicht gilt auch im Sommer

24.07.2016 • 20:49 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Richter Martin Mitteregger trägt den Talar korrekt. Foto: VN/HB
Richter Martin Mitteregger trägt den Talar korrekt. Foto: VN/HB

Nach dem Gesetz sind Rechtsprechende und Ankläger zum Schwitzen im Talar verurteilt.

Christiane Eckert

Feldkirch. Unbarmherzig scheint die Sonne frühmorgens in einzelne Verhandlungssäle. 17 Zeugen sind geladen, dazu Sachverständiger, Übersetzer, Verteidiger, Opferanwalt, Schöffen, Zuhörer – die Luft ist zum Schneiden. Fenster öffnen ist schlecht, der Lärm der Hauptstraße lässt dies nicht zu. Dennoch beweisen die meisten Zivil- und Strafrichter Hitzetauglichkeit und harren in ihrem Talar aus, ganz wie es das Gesetz verlangt. Der eine oder andere lässt die vorgeschriebene Amtsrobe vorne offen, dennoch verlangt dies bei 30 Grad und schwüler Luft einiges an Disziplin. „Der Talar ist ein faltenreiches, vorne schließbares Gewand aus leichtem Wollstoff. Er umhüllt den Körper und reicht fast bis zum Knöchel“, so die blumige Umschreibung der „Verordnung über die Beschaffenheit, das Tragen und die Tragdauer des Amtskleides“. Detaillierte Vorschriften über Stoffknöpfe, Knopflöcher und Kragen folgen.

Alles geregelt

Doch nicht nur das „Darüber“ regelt diese Norm, sondern auch das „Darunter“. Das Modediktat gilt jedoch ausschließlich den Männern, normiert Paragraf eins: zu tragen sind ein Straßenanzug oder ein Anzug aus schwarzem Stoff, schwarze Straßenschuhe, Krawatte aus schwarzem Stoff und ein weißes Hemd. Um weißen Tennissocken vorzubeugen, sind sogar „dunkle Socken oder Strümpfe“ ausdrücklich angeführt. Während Richter in schwarzer Robe mit violettem Samtrand leiden, tragen Staatsanwälte einen Mantel mit rotem Rand. Der Wollstoff ist derselbe. Zwar macht es das Verfahren nicht nichtig, wenn der Richter ohne Talar verhandelt, doch die meisten scheinen diese Kleidervorschrift dennoch temperaturunabhängig ernst zu nehmen.

Notbremse

Wird es allzu heiß und ein Hitzekollaps droht, entscheiden sich viele doch, in letzter Minute das Amtskleid auszuziehen. Die Entscheidung trifft allerdings der Vorsitzende. Harrt er aus, bleibt in der Praxis auch dem Anklagevertreter nichts anderes übrig, als auszuharren. Rechtsanwälte haben es da leichter. Sie können in angenehmer Sommermode erscheinen und bewegen sich dennoch innerhalb der Gesetze. Die meisten Richter sind der Meinung, dass es beim Talar zwar nicht um Machtdemonstration geht, sondern vielmehr darum, dass Rechtsunterworfene sich leichter zurecht finden. Rein optisch sei für sie damit die Ordnung und der Ablauf bei Gericht leichter nachvollziehbar, so die eine Meinung.

Keine Sommerpause

Richter Christian Röthlin vom Bezirksgericht Bregenz und auch ein paar Kollegen haben hingegen einen Mittelweg gefunden: „Wenn es zu heiß ist, hänge ich den Talar symbolisch über den Stuhl“, gibt Röthlin, Richter am Bezirksgericht Bregenz, Auskunft.  Da es bei Gericht keine Sommerpause gibt, bleibt Richtern somit nur die Hoffnung auf Abkühlung.