Drama um vertauschte Eizellen

25.07.2016 • 18:06 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Herbert Zech gilt als anerkannter IVF-Experte. Foto: octavian
Herbert Zech gilt als anerkannter IVF-Experte. Foto: octavian

Reproduktionsarzt Zech soll Fehler eingestanden haben. Betroffene sucht ihre Eltern.

bregenz. (VN-mm) Im vergangenen Jahr geriet der Bregenzer Reproduktionsmediziner Herbert Zech in die Schlagzeilen, weil einer seiner Mitarbeiter in Deutschland gegen das dortige Embryonenschutzgesetz verstoßen hatte und dafür rechtskräftig verurteilt worden war (die VN berichteten). Jetzt kommt es für den Gynäkologen noch dicker. Der weltweit anerkannte IVF-Experte soll vor 25 Jahren zwei Eizellen vertauscht haben. Laut einem Bericht des deutschen Nachrichtenmagazins „Spiegel“ hat Zech seinen Fehler auch bereits schriftlich eingestanden und der Familie über einen Anwalt 300.000 Euro angeboten, damit diese die Sache auf sich beruhen lässt. Inzwischen sei die Summe auf 500.000 Euro erhöht worden, doch die betroffene junge Frau will weiter alles daransetzen, ihre leiblichen Eltern zu finden. Drei Paare, die ihr der Mediziner bislang nannte, stellten sich als falsch heraus. Die DNA-Tests verliefen allesamt negativ.  

Keine Stellungnahme

Herbert Zech wollte sich auf VN-Anfrage zu dem brisanten Fall selbst nicht äußern. Er verwies auf seinen Pressesprecher, den Bludenzer Rechtsanwalt Michael Konzett, der gestern für eine Stellungnahme allerdings nicht erreichbar war. Gegenüber dem Nachrichtenmagazin „Spiegel“ meinte Konzett, dass der folgenschwere Fehler womöglich gar nicht in der Bregenzer Reproduktionsklinik passiert sei, sondern neun Monate später in der Geburtsklinik. Gleichzeitig habe er versichert, dass Zech alle erdenklichen Anstrengungen unternommen habe, um die Herkunft der jungen Frau zu klären. „Er wäre doch heilfroh, wenn er die richtigen Eltern gefunden hätte“, wird Konzett im „Spiegel“ zitiert.

Aufgeflogen ist die tragische Geschichte 2014. Immer wieder wurde die 25-Jährige auf ihre äußerlichen Unterschiede angesprochen. Ein DNA-Test brachte schließlich Gewissheit. Sie und ihre Mutter sind nicht blutsverwandt. Das Mädchen soll sich daraufhin, so berichtet der „Spiegel“ weiter, direkt an den Arzt gewandt haben. Vor mehreren Zeugen habe der eingestanden, dass ihm ein Fehler unterlaufen sei. Er habe vor dem Einsetzen des Embryos die Petrischalen verwechselt. Ohne seine Lesebrille habe er die Aufschrift nicht richtig entziffern können und ihrer Mutter versehentlich die befruchtete Eizelle eines anderen Paares implantiert. Trotzdem soll Herbert Zech auf Nachfragen zu den leiblichen Eltern zunächst zurückhaltend reagiert haben. Unklar ist bis heute, ob er die wirklichen Eltern nicht offenbaren kann oder will. „Er sagt nicht die ganze Wahrheit“, glaubt die Betroffene im Gespräch mit dem „Spiegel“.

Das Kinderwunschzentrum in Bregenz wurde 1988 gegründet. Mittlerweile gibt es Filialen in Tschechien, Italien, Liechtenstein und der Schweiz. Etwa 30.000 Mal hat Zech Paaren zu Kinderglück verholfen.

Dieser
Dieser „Spiegel“-Bericht sorgt derzeit für reichlich Gesprächsstoff.