Mit Familie auf die Alpe gezogen

Vorarlberg / 29.07.2016 • 19:33 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Mit einem Tuch schöpft Alppächter und Senn Helmut Feurstein den Käsebruch aus dem Kessel. Fotos: VN/Paulitsch
Mit einem Tuch schöpft Alppächter und Senn Helmut Feurstein den Käsebruch aus dem Kessel. Fotos: VN/Paulitsch

Familie Feurstein bewirtschaftet die Alpe Mitteldiedams im hinteren Bregenzerwald.

Schoppernau. Die Sonne hat die Berge gerade erst in Licht getaucht. Aber auf der Alpe Mitteldiedams herrscht bereits reges Treiben. Matthias Flatz (21) reinigt das Melkgeschirr. Er ist als Hirte für die 30 Kühe verantwortlich und schätzt am Älplerleben vor allem den Umgang mit den Tieren und das Schaffen in der Natur. Sein Schwager Helmut Feurstein (44) ist am Sennen. Mit einem Tuch schöpft der Alppächter aus einem großen Kessel den Käsebruch und presst ihn in eine runde Form. Pro Tag stellt der Senn zwei Laibe Alpkäse her. Seine Frau Elke (35) räumt die Reste des Frühstücks ab. Wie jeden Morgen hat sie einen Riebel zubereitet. „Nur sonntags gibt es einen Zopf“, sagt sie und verschwindet mit der leeren Riebelpfanne in der Alphütte. Johanna (11) – die Tochter einer befreundeten Familie – passt auf Lisa-Marie (1) auf, das jüngste Kind von Elke und Helmut. Die anderen beiden Kinder des Älpler-Ehepaares, Martin (7) und Katharina (5), spielen am Brunnen.

Heuer ist es der zwölfte Sommer, dass die Familie Feurstein aus Au die auf 1545 Meter Seehöhe gelegene Kuhalpe bewirtschaftet. Als Elke, eine Kindergärtnerin, ihren zukünftigen Mann kennenlernte, wusste sie, dass ihr die Alpe blühen würde. Denn Helmut, der auf einem Bauernhof groß wurde, ist von Kindheitstagen an ein begeisterter Älpler, „weil du hier oben Ruhe hast“. Elke bat ihren Mann nur um eines: „Lass es keine abgeschiedene Alpe sein, denn ich brauche Leute um mich.“ Die Mitteldiedamsalpe ist im Sommer relativ gut frequentiert – denn sie ist nicht weit entfernt von der Mittelstation der Diedamskopfbahn. Wanderer machen gerne Rast auf dieser Alpe, weil eine Jausenstation an sie gekoppelt ist.

Rund um die Uhr beisammen

Die ersten Touristen sind auch heute schon kurz nach neun Uhr hier und bestellen bei Elke, die Wirtin, Köchin und Mama in einer Person ist, eine Brettljause. Die gebürtige Eggerin freut sich jedes Jahr auf den Sommer auf der Alpe. Denn: „Ich lerne hier oben viele Leute kennen. Außerdem haben wir eine gewaltig schöne Aussicht.“ Aber das sind nicht die Hauptgründe, warum sie das Leben am Berg so liebt. „Das Wertvollste ist, dass die Familie rund um die Uhr beisammen ist.“ Das schätzt auch ihr Mann sehr. „Wenn ich sonst arbeiten gehe, bin ich von morgens bis abends weg.“

Die Feursteins, die Ende Mai auf die Alpe gezogen sind, hegen die Befürchtung, „dass wir bald nicht mehr als Familie auf die Alpe gehen können, weil unsere Kinder vielleicht nicht mehr die Erlaubnis bekommen, früher von der Schule zu gehen“. Ihr Sohn Martin durfte heuer die Schule drei Wochen vor dem offiziellen Schulende verlassen. „Wir sind uns nicht sicher, ob wir im nächsten Jahr wieder die Genehmigung bekommen“, argwöhnen die Feursteins, „dabei sind die Kinder so wichtig auf der Alpe“. Der siebenjährige Martin etwa hilft beim Ausmisten, beim Unkrautmähen und beim Zäunen, die elfjährige Johanna betreut die kleinen Kinder und packt auch sonst überall mit an.

Heute sind die Älpler gut drauf – klein wie groß. Die Sonne lacht mit ihnen um die Wette. „Das Wetter spielt eine große Rolle. Bei Schlechtwetter ist es nicht lustig. Denn wir haben nur eine kleine Hütte“, hat Elke eine Erklärung für die gute Laune. Der Sommer vor zwei Jahren drückte ihr schwer aufs Gemüt. „Da hatte es oft Nebel.“ Dafür gefiel ihr der im Vorjahr. „Er war herrlich und verging wie im Flug.“ Sie hofft, dass der heurige Sommer noch zur Hochform aufläuft, „denn vor allem der Juni war sehr nass“. Anfang September ziehen Elke & Co mit dem Vieh – 30 Kühe, 12 Schweine, 1 Kalb, 8 Ziegen, 15 Hühner – wieder ins Tal. Dann wird aus dem Alppächter ein Maschinist, aus dem Hirten ein Zimmermann und aus der Alpwirtin eine Vollzeitmama.

Älplerfamilie Feurstein bewirtschaftet die Alpe Mitteldiedams. Alle sind gut gelaunt an diesem herrlichen Tag.
Älplerfamilie Feurstein bewirtschaftet die Alpe Mitteldiedams. Alle sind gut gelaunt an diesem herrlichen Tag.