Naomi aus Mäder zur schönsten Milchkuh gekürt

Vorarlberg / 29.07.2016 • 19:39 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Ulrich Kopf freut sich sehr über den Vizeeuropameistertitel seiner  Milchkuh „Naomi“.  Foto: VN/Hofmeister
Ulrich Kopf freut sich sehr über den Vizeeuropameistertitel seiner  Milchkuh „Naomi“. Foto: VN/Hofmeister

Bei der Holstein-Europaschau in Frankreich wurde die Jungkuh Vizeeuropameisterin.

Mäder. Das schwarz-weiße Fell von Naomi glänzt in der Sonne. Im Stall von Familie Kopf in Mäder steht sie, die schönste Kuh Vorarlbergs und Vizeeuropameisterin unter den Holsteinkühen.

Diese Rasse ist die weltweit bedeutendste Milchviehart. Die europäische Gegenüberstellung dieser Rinder findet alle drei Jahre bei der Holstein-Europaschau statt. Für Züchter ist das die größte und wichtigste Präsentation in Europa. Im Juni dieses Jahres ging der Wettbewerb in Colmar, Frankreich, über die Bühne. Insgesamt nahmen 144 Tiere aus zwölf Ländern und 31 Jungzüchter aus 17 Staaten am Bewerb teil.

Vorarlberg vertreten

Auch drei Vorarlberger Holsteinkühe gingen dort an den Start. Darunter Naomi und Goldstern, zwei Jungkühe aus der Züchtung von Ulrich Kopf. Der 53-jährige Landwirt aus Mäder war heuer das erste Mal bei der Holstein-Europaschau dabei.

„Bei dem Wettbewerb geht es um das Aussehen der Rinder“, informiert Kopf. „Es ist wichtig, dass das Skelett klar zu erkennen ist.“ Das Fundament der Kuh sollte so fein sein, dass die Sehnen und alles andere gut sichtbar sind. „Ein weiterer wichtiger Punkt ist das Euter“, sagt Kopf. Deshalb seien für den Wettbewerb vor allem Kühe geeignet, die drei bis fünf Monate vorher gekalbt haben. „Dann ist das Euter relativ voll und das sieht schöner aus“, meint er. Allerdings kann nicht jeder Bauer seine Kühe beim Wettbewerb präsentieren. Landwirte müssen sich über Verbände anmelden. Ein Experte schaut sich dann vor Ort die einzelnen Kühe an und vergibt die Startplätze. Aus Österreich haben es zehn Rinder ins internationale Rennen geschafft.

Einen Monat bevor Kopf mit Naomi und Goldstern nach Colmar reiste, begann die Vorbereitungszeit für die Rinder. Zum Fressen gab es nur noch Heu und etwas Kraftfutter. „Durch die Futterumstellung verschwinden Fetteinlagerungen und das Skelett der Kühe wird feiner“, informiert Kopf. Zudem wurden die Tiere zwei Mal am Tag mit Shampoo gewaschen, damit das Fell glänzt. Auf dem täglichen Programm stand auch Spazierengehen. „So gewöhnen sich die Kühe daran, am Halfter festgehalten zu werden. Bei der Europaschau werden sie nämlich so durch den Ring geführt“, erklärt der Landwirt.

Präsentation vor Zuschauern

Vor dem großen Auftritt vor 15.000 Zuschauern in Colmar wurden die Kühe geschoren und frisiert. Je nach Alter traten sie in einer der drei Kategorien an. Naomi startete mit den Jungkühen. Diese Kategorie war in weitere Gruppen unterteilt, sodass pro Gruppe 16 Rinder gegeneinander antraten. „Die Kühe einer Gruppe kommen hintereinander in den Ring. Der Preisrichter schaut sich jede Kuh an, stehend und in Bewegung. Anschließend beginnt er mit der Platzierung. Bei Naomi machte er es spannend“, erinnert sich Kopf, der gemeinsam mit seiner Frau, zwei seiner drei Söhne und deren Freundinnen das Spektakel in Colmar live miterlebte.

Naomi gewann ihre Gruppe und holte damit als erste österreichische Kuh einen Gesamttitel. Den Preisrichter überzeugte sie vor allem mit ihrem Euter. Als Siegerin durfte sie noch bei der Championswahl gegen die anderen Gruppengewinner antreten. Hier musste sich Naomi nur gegenüber einer Schweizer Kuh geschlagen geben und wurde Vizeeuropameisterin der Jungkühe. „An dem Titel hängen viele Emotionen. Als Züchter lege ich viel Wert auf das Aussehen meiner Tiere. Das wurde mit dem Titel belohnt“, sagt Kopf.

Größter Erfolg für Rinderzucht

Mit dem Vizeeuropameistertitel schaffte Naomi den größten Erfolg in der Geschichte der österreichischen Rinderzucht. Dabei ist die Konkurrenz groß. Denn in Europa existieren knapp zehn Millionen Holsteinkühe. Nur 50.000 davon leben in Österreich. Im Stall von Kopf in Mäder stehen 100 dieser Milchkühe. „Wir haben 50 Kälber und Jungkühe und nochmal 50 ausgewachsene Rinder“, berichtet er. Seit 20 Jahren züchtet Kopf die Holsteinkühe auf seinem Hof, den er vor 33 Jahren selbst aufbaute.

Wir legen viel Wert auf das Aussehen unserer Kühe, nicht nur auf Rinder, die viel Milch geben.

Ulrich Kopf