Braunarlspitze

Vorarlberg / 31.07.2016 • 18:46 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Endlich Urlaub. Ich kann ausspannen, ausschlafen und all die schönen Dinge tun, die ich im Alltag auf die lange Bank schiebe: in der Sonne liegen und ein gutes Buch lesen, mit Freundinnen und Freunden bis zum Morgengrauen durch die Kneipen ziehen oder im See baden. Mit 23 Grad ist das Wasser jetzt geradezu ideal, um ein paar Meter zu schwimmen. Sport und Bewegung sind mir grundsätzlich wichtig. Und so freue ich mich seit Wochen, bei schönem Sonnenwetter Radfahren und Wandern gehen zu können. Dazu bin ich oft im Bregenzerwald unterwegs. Ich genieße es, gemeinsam mit Freundinnen durch geruhsame Dörfer zu laufen, alte, geschindelte Bauernhäuser zu bestaunen und in Berghütten einzukehren, um uns von Wirt und Wirtin heimische Anekdoten erzählen zu lassen.

Doch vor ein paar Tagen hat uns eine Geschichte kalt erwischt. So, wurde uns erzählt, ist die Polizei offiziell auf der Suche nach zwei Bettlerinnen mit ausländischem Akzent, die als Einschleichdiebinnen in Au unterwegs gewesen sein sollen. Die beiden Frauen, Typ Roma, wurden beschrieben als zwischen 35 und 50 Jahre alt,  ca. 1,60 bis 1,65 Meter groß, mit normaler bzw. stämmiger Statur, dunklen und etwas helleren Haaren, die zu einem Zopf geflochten beziehungsweise mit einer Spange hochgesteckt waren. Beide sollen knielange Wanderhosen, auffällig gemusterte Blusen und feste Wanderschuhe getragen haben, eine von ihnen zudem noch einen kleinen, hellen Rucksack.

Betroffen blickte ich an uns herunter. In festen Bergschuhen, inmitten des Bregenzerwaldes, standen wir, zwei Frauen mit gezopften Haaren, mittelalt, in hochgekrempelten Wanderhosen und farbenfrohen Hemden in Konfektionsgröße 38. Beide mit kleinen Rucksäcken.

Meine in Bälde geplante Wanderung auf die Braunarlspitze, befürchte ich nun, könnte die Bregenzerwälder Polizei beunruhigen. Breit gesprochen hört sich mein badischer Dialekt durchaus ausländisch an. Ich habe dunkle Haare, die ich morgens meist nur achtlos zusammenbinde. Und ich kleide mich gerne bunt. Selbstverständlich liegt es mir fern, mit meinen Urlaubsplänen die Sicherheit des Landes zu gefährden. Daher, geschätzter Herr Landesrat Schwärzler, hilft es Ihnen und der Arbeit Ihrer Sicherheitskräfte, wenn ich in nächster Zeit mit tristen Klamotten und offenen Haaren wandere?

Meine geplante Wanderung auf die Braunarlspitze könnte die Bregenzerwälder Polizei beunruhigen.

amanda.ruf@vorarlbergernachrichten.at
Amanda Ruf ist Geschäftsführerin des Vereins Amazone.