FPÖ-Schulpolitik steht in der Kritik

Vorarlberg / 17.08.2016 • 18:23 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Nach Nein zur Gesamtschule durch Reinhard Bösch wiegelt Christoph Waibel ab.

Schwarzach. „Mittlerweile hat sich die Situation geändert. Wir haben die Ergebnisse von den Gesamtschulen ähnlichen Bildungseinrichtungen wie Volksschule und Mittelschule. Diese Ergebnisse sind verheerend. Sie weisen darauf hin, dass unsere Kinder nicht rechnen, lesen und schreiben können. Man muss Änderungen herbeiführen und sich neue Wege überlegen.“ Das sagte der neue FPÖ-Landesparteiobmann Reinhard Bösch (59) im ORF-Sommergespräch.  Was für die Bildungssprecher der anderen Parteien eine klare Strategieänderung der FPÖ-Position beim Thema Schule bedeutet, stellt sich für den FPÖ-Bildungssprecher Christoph Waibel anders dar.

Kritik an Kritikern

„Bösch hat nach der Schulpolitik der letzten 30 Jahre, die uns dahin gebracht hat, wo wir heute sind, eine begründete Skepsis“, verteidigt FPÖ-Bildungssprecher Christoph Waibel (51) seinen neuen Chef. Er habe sich nicht vom gemeinsamen Landtagsbeschluss verabschiedet und auch nicht der gemeinsamen Schule eine prinzipielle Absage erteilt. Die FPÖ verlasse den gemeinsamen Weg nicht. „Es bleibt dabei. Wir wollen Vorschläge für die Zukunft hören, wir wollen unsere Ideen einbringen, und das, was gut und umsetzbar ist, soll passieren“, beschreibt der blaue Bildungssprecher die beabsichtigte Vorgangsweise seiner Partei in Sachen Schulpolitik.

Dass die Bundes-FPÖ allen Gesamtschulplänen eine klare Absage erteilt, ist allerdings bekannt. Ebenso, dass Reinhard Bösch immer noch ein Teil dieser Bundes-FPÖ ist. Von der Bildungs-Task-Force des Landtags fordert der Landesparteiobmann jedenfalls eine Richtungsänderung.

Waibel beschuldigt die Bildungssprecher der anderen Parteien, dass sie grundlos gegen den neuen Obmann wettern und spricht im Zusammenhang mit der Kritik des grünen Bildungssprechers Daniel Zadra (31) von „einem Armutszeugnis erster Klasse“.

Burschenschafter

Dieser hatte den Blauen mangelnde „bildungspolitische Handschlagqualität“ unterstellt. „Das ist eine 180-Grad-Wende innerhalb weniger Jahre“, kritisiert Zadra und spricht im Zusammenhang mit der FPÖ-Bildungspolitik von einem Zickzackkurs. „Elitäres Denken und Bildungsdünkel breiten sich neuerdings in der blauen Landespartei aus“, hält Zadra der FPÖ vor und macht dafür auch Böschs Mitgliedschaft in einer schlagenden Burschenschaft mitverantwortlich. „Offenbar übernehmen nun auch in der Vorarlberger FPÖ die Burschenschafter das Ruder.“

Lob von Türtscher

Heftige Kritik an einer befürchteten Neuausrichtung der FPÖ-Schulpolitik kommt auch von der ÖVP. „Bei den Olympischen Spielen hätte Reinhard Bösch für diesen lupenreinen Rückwärtssalto sicherlich die erste Goldmedaille für Österreich geholt“, spottet ÖVP-Klubobmann Roland Frühstück (58). Mit Bösch verlasse die FPÖ Vorarlberg den bildungspolitischen Konsens, den die ehemalige Bildungssprecherin der Freiheitlichen, Silvia Benzer, maßgeblich mitbegründet habe. „Damit ist die FPÖ Vorarlberg einmal mehr auf den strammen Rechtskurs HC Straches eingeschwenkt“, äußert sich Frühstück zu den Positionen des FPÖ-Chefs im Land.

Naturgemäß erfreut über die Aussagen Böschs zeigt sich hingegen Pro-Gymnasium-Sprecher Wolfgang Türtscher (59). „Nun erkennt auch die FPÖ Vorarlberg, dass mit der gemeinsamen Schule der Zehn- bis 14-Jährigen, vor allem mit der Abschaffung des achtjährigen Gymnasiums, keine Probleme gelöst werden.“

Die Politik solle endlich akzeptieren, dass es in Vorarlberg wie in Österreich eben keine politische Mehrheit für die gemeinsame Schule gibt, betont Türtscher.

Die Freiheitlichen verlassen den gemeinsamen Weg nicht.

Christoph Waibel

Böschs Rückwärtssalto hätte Olympiagold geholt.

Roland Frühstück