Naturschätze vor der Haustür

Vorarlberg / 18.08.2016 • 18:39 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Probieren geht auch bei einer Kräuterwanderung über Studieren. Konny Bereiter ermuntert die Teilnehmer, es ihr gleichzutun.  
Probieren geht auch bei einer Kräuterwanderung über Studieren. Konny Bereiter ermuntert die Teilnehmer, es ihr gleichzutun.  

Bei Kräuterpädagogin Konny Bereiter wird nicht nur gewandert, sondern auch gekocht.

gaschurn. (VN-mm) „Oh, da ist noch etwas!“, ruft Konny Bereiter, bückt sich und holt ein zartes Pflänzchen ans Tageslicht. Mit geschultem Blick hat sie unter dem wuchernden Grün am Wegrand ein Gänsefingerkraut entdeckt. Vorsichtig legt sie es in ein Körbchen, das schon bis zum Rand mit anderen Wildkräutern gefüllt ist. Doch Konny Bereiter bekommt nicht genug von den Naturschätzen. Ein Kraut nach dem anderen wandert in das Behältnis. Dazu gesellen sich Wurzeln und Beeren, die auf der Versettla oberhalb von Gaschurn in Hülle und Fülle gedeihen. Bereiter kennt jedes Kräutlein mit Namen, weiß um seine Wirkung und seinen Nutzen. Im Sommer teilt sie dieses Wissen gerne auch mit anderen, hat deshalb die Kräuterwanderung in der Silvretta Montafon ins Leben gerufen. Jeden Donnerstag führt sie Interessierte durch die wunderbare Welt der Wildkräuter. Weil es sich beruflich anbietet, denn Konny Bereiter ist auch Köchin in der „Nova Stoba“, wird die Exkursion kulinarisch beendet.

Kreative Kräuterfee

Das Angebot hat längst schon seine Anhänger gefunden. Mehr als zwölf Personen nimmt Konny Bereiter aber nicht mit. Schließlich gibt es auf dieser Wanderung viel zu erklären, und jeder, der dabei ist, soll etwas davon haben. Die Kräuterpädagogin möchte nämlich vermitteln, wie viel Gutes vor unserer Haustür wächst. „Wir könnten uns praktisch davon ernähren“, lautet ihre Einschätzung, die sie auch persönlich lebt. Ihre Kreativität bei der Verarbeitung von Wildkräutern kennt kaum Grenzen. Tinkturen, Tees, Limonaden, Pasten, Gewürze, Salze, Smoothies: Bereiter lässt ihrer Fantasie dabei freien Lauf.

Wenn sie dann von ihrer Kräuterküche erzählt, springt die Begeisterung schnell über. Immer wieder animiert sie die Teilnehmer auch, von diesem und jenem Kraut zu kosten. Die Gäste sind anfangs etwas zögerlich – was der Bauer nicht kennt, isst er nicht, weiß bekanntlich der Volksmund – doch die Scheu vor dem Unbekannten legt sich schnell. „Tasten, riechen, schmecken, probieren: So lernt man Pflanzen kennen“, legt sie ihren Gästen ans Herz. Das Riechen und Beschreiben der geschmacklichen Empfindungen ist außerdem ein gutes Gehirntraining. Ein weiterer Rat der Kräuterfee: „Pflanzen bei Schönwetter sammeln, weil sie dann ihre volle Wirkung entfalten können.“ Wurzeln sollten dagegen erst im Herbst ins Körbchen, wenn die Pflanzenkraft aus den Blättern in die Erde geflossen ist. 

Konny Bereiter vergisst auch nicht, auf die Gefahren hinzuweisen, die Unbekanntes birgt. „Lässt sich eine Pflanze nicht mit hundertprozentiger Sicherheit bestimmen, Finger weg“, sagt sie mit Nachdruck. Und: „Bitte nur sammeln, was verarbeitet werden kann.“ Außerdem sind nicht alle Kräuter für alles und jeden geeignet. Doch merken muss sich der Kräuterwanderer die vielen Informationen nicht. Dafür sorgt Konnys Wildkräuterfibel, die jeder Teilnehmer in die Hand gedrückt erhält, und die einen guten Überblick über das Gehörte und Gesehene bietet. Zum Abschluss dürfen die Gäste noch beim Zubereiten der gesammelten Kostbarkeiten helfen. 

Die Vielfalt an Wildkräutern im Versettla-Gebiet ist beeindruckend. Konny Bereiter (r.) kennt sie alle. Fotos: VN/Hofmeister
Die Vielfalt an Wildkräutern im Versettla-Gebiet ist beeindruckend. Konny Bereiter (r.) kennt sie alle. Fotos: VN/Hofmeister
In der
In der „Nova Stoba“ wird aus der Kräuterexpertin eine begeisterte Köchin. Mithelfen dürfen aber alle. 

Letzte Kräuterwanderungen
für heuer am 25. August und
1. September. Anmeldungen: Tel. 05557/6300