Gastronom nach Mordversuch mit dem Fleischerbeil straflos

Vorarlberg / 24.08.2016 • 22:35 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Angeklagter ging mit Fleischerbeil auf seine Frau los.
Angeklagter ging mit Fleischerbeil auf seine Frau los.

51-Jähriger muss nicht in Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher, er kann ambulant betreut werden.

Feldkirch (ec). Ein 51-jähriger Gastronom beschäftigte am Mittwoch den Schwurgerichtshof in Feldkirch. Der Mann hatte im Dezember vergangenen Jahres seine Frau gewürgt und mit einem Fleischerbeil angegriffen. Stimmen hätten es ihm befohlen, so seine Aussage. „Sie ist eine Verbrecherin, sie hat dich betrogen und darauf stehen 3000 Jahre Haft“, hätten sie ihm ins Ohr geflüstert. Er würgte seine Gattin und hielt kurz inne. „Das war richtig, du musst sie töten“, setzten die Stimmen ihre Befehle fort. Der mehrfache Familienvater konnte dann allerdings von seinen Angehörigen niedergerungen werden. Ein Sohn wählte den Notruf, die Polizei schritt ein.

Seltene Störung

Hintergrund für die Tat des Mannes ist eine laut Primar Reinhard Haller sehr seltene Störung. Bei der gegenständlichen Alkohol-Halluzinose hatte der Angreifer zum Tatzeitpunkt zwar 0,0 Promille. Dennoch bildete er sich aufgrund des langen Alkoholmissbrauchs Dinge ein. Das „Gute“ an dieser Störung ist allerdings, dass die Stimmen wieder zur Gänze verschwinden, wenn der Mann
aufhört zu trinken. Bereits im Frühjahr 2015 war der heute 51-Jährige

im Landeskranken-

haus Rankweil. Bereits damals hörte er Stimmen, allerdings keine befehlenden, sondern „gutmütige“ und Musik. Er glaubte, Ärzte hätten ihm bei einer vorausgegangenen tatsächlich harmlosen Operation im Hals-Nasen-Ohren-Bereich einen Sender implantiert. Der sende ihm nun Nachrichten, so seine spätere Vermutung.

Eine Vorstrafe

Eine Vorstrafe aus dem Jahr 2012 gibt es jedoch. Damals wurde der Mann nach einem Parkplatzstreit wegen versuchter absichtlich schwerer Körperverletzung verurteilt. Er hatte mit einer Eisenstange zugeschlagen, allerdings nicht unter Einfluss einer psychischen Störung. Er bekam eine bedingte
Haft- und eine

unbedingte

Geldstrafe.

Im Schwur­gerichtsver-

fahren ist die Anlasstat ein Mordversuch. Haller schließt aber aus, dass der Betroffene beim Vorfall mit seiner Frau zurechnungsfähig war. Was die Zukunftsprognose betrifft, hat der Mann gute Chancen. Der 51-Jährige genießt
einen starken familiären Rückhalt und auch die Bewährungshilfe beschreibt den Mann als hundertprozentig zuverlässig und sehr bemüht.

Alle an einem Strang

Die Angehörigen sind entschlossen – trotz finanzieller Schwierigkeiten – alle mitzuhelfen. Sie unterstützen den Familienvater in seinem Betrieb und haben ihm ver­ziehen. Fügt er sich den Weisungen des Gerichts, kann er, wie er sich das wünscht, ein normales Leben weiterführen. Voraussetzung: Er darf nie mehr zum Alkohol greifen, muss sich psychiatrischer Behandlung unter­ziehen und muss einige
weitere Weisungen befolgen. Die Probezeit beträgt zehn Jahre. Das Urteil ist rechtskräftig.