Gülen-Bewegung in Vorarlberg

Vorarlberg / 24.08.2016 • 20:55 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
VN-Bericht vom 24. August 2016.
VN-Bericht vom 24. August 2016.

Die AKP macht Gülen-Anhänger für den Putschversuch verantwortlich. Auch im Land gibt es die Bewegung.

Schwarzach. (VN-mip) Für Anhänger des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan und seiner Partei AKP ist klar, wer hinter dem Putschversuch am 15. Juli in der Türkei steckt: die sogenannte Gülen-Bewegung. Auch die Arbeiterkammer-Fraktion „Neue Bewegung für die Zukunft“ (NBZ) ist dieser Meinung. Die VN berichteten über einen offenen Brief der NBZ, in dem verlautbart wird, dass viele türkischstämmige Menschen bereit wären, Österreich zu verlassen, sollten sie eine Rückkehrprämie erhalten. Auch auf den Putschversuch beziehen sich die Schreiber: „Es hat sich klar und deutlich herausgestellt, dass die seit Jahrzehnten aktive Gülen-Bewegung, die übrigens auch in Vorarlberg ihr Unwesen treibt, dahintersteckt“, schreibt der Verfasser. Was er unter „Unwesen“ versteht, führt er nicht aus.

Internationale Beobachter bezweifeln, dass die Anhänger von Fethullah Gülen alleine für den Putschversuch verantwortlich sind. Dass sie eine Rolle gespielt haben, gilt aber als wahrscheinlich. Gülen predigt einen konservativen Islam. Er lebt seit 1999 in den USA und war bis 2013 ein Gefährte Erdogans. Seine Anhänger sind im ganzen türkischen Staatsapparat zu finden, weltweit betreibt das Netzwerk vor allem Bildungseinrichtungen. Laut des Wochenmagazins „Die Zeit“ sollen es mittlerweile über 1000 sein. Auch in Vorarlberg gibt es welche.

„Galileo“ und „Mimosa“

Experte Thomas Schmidinger von der Universität Wien erläutert: „Die Gülen-Bewegung hier und in der Türkei sind zwei Paar Schuhe.“ In Vorarlberg betreiben Gülen-Anhänger vor allem Nachhilfeschulen. „Die Bewegung hält sich bedeckt. Vereine versuchen, sich als unabhängig darzustellen“, erklärt Schmidinger. Deshalb hafte der Bewegung auch etwas Geheimbündlerisches an. In Vorarlberg stehen die Institute „Galileo“ und der Frauenverein „Mimosa“ der Bewegung nahe. „Der Fokus liegt auf dem Unterricht. Es geht darum, eine zukünftige türkische Elite heranzubilden“, führt Schmidinger aus. Natürlich würden gewisse Werte transportiert: „Das passiert in jedem Unterricht. An unseren Schulen hoffentlich die Werte der Demokratie. Die Gülen-Bewegung wird auch ihre Werte weitergeben.“

Fatma Keskin von „Mimosa“ gilt als Sprecherin der Bewegung. Sie habe seit dem 15. Juli viele Medienanfragen erhalten, erzählt sie den VN. Zum Brief der NBZ wolle sie sowieso keine Stellung abgeben, auch sonst will sie sich derzeit nicht äußern. In den nächsten Tagen soll eine Erklärung an alle Medien gesandt werden.

NBZ missverstanden

Die NBZ fühlt sich indes missverstanden. Es sei versucht worden, den Brief in falsche Bahnen zu lenken, schreibt die Bewegung auf Facebook. Der Brief hätte eine sachliche Diskussion anregen sollen und rufe zu Empathie gegenüber türkischen Mitbürgern auf. Den Menschen, die Österreich verlassen wollen, solle man die Möglichkeit bieten. Allerdings sei dies nicht nötig, sagt NBZ: „Nur gemeinsam sind wir Österreich, deshalb muss ein friedliches Miteinander statt ein Gegeneinander bewerkstelligt werden, welches unsere Völker weiterhin eint und unser Österreich stärkt“, heißt es in der Meldung.

Gülen-Bewegung hier und in der Türkei sind zwei paar Schuhe.

Thomas Schmidinger