Schönenbach sieht Idylle bedroht

Vorarlberg / 24.08.2016 • 21:01 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Peter Greber bezweifelt, ob Projekt noch ein „Ferienheim“ ist. STP
Peter Greber bezweifelt, ob Projekt noch ein „Ferienheim“ ist. STP

Rechtsgültiger Baubescheid für Neubau des Kinderdorf-Ferienheims, trotzdem bleiben Fragen offen.

Bezau. (stp) Nach den Vorstellungen des Vorarlberger Kinderdorfs sollte der Neubau des Kinderdorf-Ferienheims in Schönenbach schon vor der Fertigstellung stehen – in der Realität haben jedoch noch nicht einmal die Abbrucharbeiten des Altgebäudes begonnen, und ein baldiger Baustart scheint fraglich.

Dabei ist rund eineinhalb Jahre nach der Bauverhandlung die rechtliche Situation klar: Nach mehreren Berufungen ist der Instanzenweg erschöpft und der positive Baubescheid rechtskräftig. Trotzdem verharrt das Kinderdorf nicht auf einem Justamentstandpunkt, und Franz Josef Köb, Präsident des Vereins Vorarlberger Kinderdorf betont, dass man an einer einvernehmlichen Lösung interessiert sei und weitere Gespräche stattfinden sollen.

Agrargemeinschaft irritiert

Im Vorsäß Schönenbach, einem einzigartigen Idyll, haben vor allem Formulierungen im Bauantrag und die geplante Erhöhung des Gebäudes um rund eineinhalb Meter die Alarmglocken schrillen lassen. Dass beispielsweise ein „Seminarraum“ vorgesehen ist, weckt bei Obmann Peter Greber erhebliche Zweifel, ob der viergeschoßige Neubau noch etwas mit der einstigen Bestimmung des Ferienheimes zu tun hat.

Das 1950 errichtete Ferienheim war ohnehin ein Sonderfall, denn die Vorsäßordnung ist sehr restriktiv. Demnach dürfen bauliche Veränderungen nur mit Zustimmung der Genossenschaft vorgenommen werden. Die nun vorliegenden Pläne für den Neubau des Haupthauses gehen – trotz positiven Bescheids – der Genossenschaft zu weit und seien mit der Vorsäßordnung nicht vereinbar.

Deshalb ist die neue Ära des Ferienheims vorläufig in der Warteschleife, neben dem Baubescheid sind für die Realisierung des Projekts auch noch privatrechtliche Vereinbarungen zwischen Kinderdorf und Genossenschaft zu klären. So ist die Zufahrt eine private Mautstraße in der Zuständigkeit der Genossenschaft, auch Wasserversorgung und Kanal sind Kompetenz der Schönenbacher.

Dass beide Seiten an einer einvernehmlichen Lösung interessiert sind, liegt auch an der Tradition, denn das Ferienheim ist mit der 65-jährigen Geschichte des Vorarlberger Kinderdorfs untrennbar verbunden. 1951 hat es Kaplan Hugo Kleinbrod offiziell gegründet, schon zu Beginn des Zweiten Weltkriegs hatte er in Schönenbach – trotz Verboten durch die Nationalsozialisten – geheime Lager für Kinder organisiert und diese 1946 – damals noch in Alp­hütten – wieder aufgenommen. 1950 wurde schließlich das 2012 aufgelassene Ferienheim gebaut – und Ferienheim soll es bleiben, betonen die Schönenbacher.