Meinrad Pichler

Kommentar

Meinrad Pichler

Schutzbedürftig

24.08.2016 • 19:01 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Heute vor genau hundert Jahren wurde in den USA mit dem National Park Service (NPS) eine neue Bundesbehörde geschaffen. Aufgabe dieser Institution war es in der Folgezeit, die zu Nationalparks erklärten Schutzgebiete zu verwalten, zu schützen und für einen vorsichtigen und wohlüberlegten Tourismus zu erschließen. Letzteres auch deshalb, weil der Behörde neben Naturschutzgebieten auch Gedenkstätten von nationaler Bedeutung unterstellt wurden. Innerhalb der übertragenen 380 Gebiete wurde dem NPS auch die Polizeigewalt übertragen. Die personell recht gut ausgestattete Behörde könnte ihren Aufgaben aber nicht gerecht werden, wenn nicht über zwei Millionen ehrenamtliche Helfer(innen) Assistenzdienste leisten würden.

 

Zum 50-Jahr-Jubiläum erhielt der NPS eine Sonderdotation aus Washington, um mit unterschiedlichen Medien das Wissen der Parkbesucher über Naturschutz, ökologische Zusammenhänge und Geschichte zu erweitern.

Der Nationalparkdienst betreut aber nicht nur die ihm unterstellten Schutzgebiete, er kämpft auch für deren Erhalt gegen immer wieder auftretende wirtschaftliche Begehren von Ölbohrern, Holzfällern und Touristikern. Eine starke Bundesbehörde ist hier der Anwalt des Naturschutzes.

Da hat die Naturschutzanwaltschaft in Vorarlberg oft weit weniger öffentlichen Rückhalt. Immer wieder werden deren Einwände in Behördenverfahren zugunsten wirtschaftlicher Interessen zurückgedrängt. Das Argument neuer Arbeitsplätze sticht den Naturschutz in vielen Fällen aus.

 

So etwa im Fußacher Deltagebiet. Ausgerechnet die Bezirkshauptmannschaft Bregenz, die ihr langjähriger Vorstand Dr. Anton Allgeuer zu einem frühen Bollwerk des Natur- und Uferschutzes gemacht hatte, weicht jetzt dem wirtschaftlichen Druck. Die Freizeitnutzung wird über den Naturschutz gestellt und mit dem genehmigten Bauprojekt zugleich ein gefährlicher Präzedenzfall geschaffen.

Die Vorarlberger Landesregierung hat 1957 auf Anregung des Bezirkshauptmanns Allgeuer gegen den Protest jener, die Campingplätze, Badehütten und Kiesgruben errichten wollten, für das Rheindelta alle Ausnahmebewilligungen im Uferbereich ein für alle Mal abgelehnt und das Bauverbot auch in Anfechtungsverfahren beim Höchstgericht durchgesetzt. Und das ohne den Rückhalt eines heute EU-weiten Natura-2000-Schutzes.

Das waren noch Zeiten!

Das Argument neuer Arbeitsplätze sticht den Naturschutz in vielen Fällen aus.

meinrad.pichler@vorarlbergernachrichten.at
Meinrad Pichler ist Historiker und pensionierter Gymnasialdirektor.