Silbertaler Brückenfiasko als Chance für alle Radler

Vorarlberg / 25.08.2016 • 20:51 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Die neue Brücke wurde mit zu wenig Stahl versehen. Foto: VN/js
Die neue Brücke wurde mit zu wenig Stahl versehen. Foto: VN/js

Tragwerk der neuen Litzbrücke muss noch einmal abgetragen werden.

Schruns, bartholomäberg. (VN-js) Der äußere Schein trügt. Die seit Oktober des Vorjahres in Bau befindliche Litzbrücke, im Volksmund auch Höllbrücke genannt, scheint unmittelbar vor der Fertigstellung zu stehen. Wie sich nun herausgestellt hat, ist dem damals vom Land beauftragten Ingenieursbüro jedoch ein folgenschwerer Fehler unterlaufen. Der Stützpfeiler ist mit zu wenig tragfähigem Stahl ausgestattet, und die Tragkraft der Brücke somit nicht für die künftigen Belastungen auf der Hauptverkehrsroute ins Silbertal ausreichend. Die Folge: Das Tragwerk der Brücke muss komplett abgerissen und neu aufgebaut werden.

Einmaliger Fall

Gerhard Schnitzer von der Abteilung Straßenbau des Landes spricht dabei von einem „einzigartigen Fall, den es so in Vorarlberg noch nie gegeben hat“. Den entstandenen Schaden ordnet der Abteilungsleiter in der Größenordnung von 1,4 Millionen Euro ein. „Die Versicherung des betroffenen Ingenieurbüros ist bereits informiert“, so Schnitzer gegenüber den VN.

Seitens des Landes will man nun umgehend die Sanierungsplanung des ursprünglich 2,8 Millionen Euro teuren Bauprojekts in Auftrag geben. „Der Zeitplan sieht eine Fertigstellung bis Mai bzw. Juni kommenden Jahres vor“, sagt Schnitzer. Bis dahin muss der Verkehr in die Montafoner Kleingemeinde mittels Ampelregelung weiterhin über die einspurig befahrbare Behelfsbrücke geführt werden. Die mit dem Brückenbau einhergegangene Sanierung eines Teilstücks der Silbertaler Straße wird bis Anfang September weitgehend fertiggestellt werden.

Radweg kommt ins Spiel

„Die Gerüchteküche hat lange genug gebrodelt“, ist der Silbertaler Bürgermeister Thomas Zudrell froh, dass „nun zumindest Klarheit über die Gründe des Baustopps herrscht“. Dass sich die Baustelle samt des Brückenprovisoriums jetzt wohl noch ein Jahr länger erstreckt, sei zwar mühsam, dennoch wittert der Gemeindechef darin auch eine Chance. „Wir werden die Gelegenheit nutzen, um den Radweg noch einmal ins Spiel zu bringen“, so Zudrell. Geht es nach dem Silbertalter Bürgermeister, soll der Radverkehr in seine Gemeinde künftig nicht mehr ausschließlich über die L 95 führen. „Die neuerlichen Brückenarbeiten bieten nun die Möglichkeit, diese Vision in die Tat umzusetzen“, so Zudrell.

So mühsam die Bauunterbrechung ist, sie birgt auch eine Chance.

Thomas Zudrell, Bürgermeister