Keine Strafe für Alko-Radlerin

Vorarlberg / 26.08.2016 • 22:31 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Das etwas angeheiterte Paar gab an, die Fahrräder geschoben zu haben und kam damit beim Landesverwaltungsgericht durch.  Symbolbild
Das etwas angeheiterte Paar gab an, die Fahrräder geschoben zu haben und kam damit beim Landesverwaltungsgericht durch. Symbolbild

1,52 Promille: Ob Betrunkene ihr Fahrrad geschoben hat oder damit gefahren ist, bleibt unklar.

Bregenz. (ec) Es war nach einem feuchtfröhlichen Abend. Als sich die 50-jährige Angestellte und ihr Lebensgefährte um vier Uhr morgens mit ihren Rädern in Schwarzach auf den Heimweg machten, spürten sie, dass sie bereits einiges intus hatten. Deshalb beschlossen sie, ihre Räder nach Hause zu schieben. Das sagt jedenfalls das Paar. Die Unterländerin wollte mit ihrem Fahrrad offenbar auf einen Gehsteig, dabei verkantete das Rad am Randstein und die Frau kam samt ihrem Drahtesel zu Sturz. Sie zog sich dabei eine blutende Platzwunde am Kopf zu. Die Rettung kam – und auch die Polizei ließ nicht lange auf sich warten.

Gefahren oder geschoben

Der Lebensgefährte konnte zum Sturz seiner Freundin keine nützlichen Angaben machen, er war vor ihr gegangen. Es gab unterschiedliche Aussagen, jedenfalls wurden beide zum Alkotest gebeten.

Der Mann weigerte sich, die Gestürzte war zum Test bereit. Sie hatte kein schlechtes Gewissen, denn beim Rad­schieben zu stürzen, hielt sie für ein Missgeschick und kein Vergehen. Niemand außer ihr selbst war zu Schaden gekommen. Doch da flatterte ihr ein Straferkenntnis
der Bezirkshauptmannschaft Bregenz ins Haus: 800 Euro Geldstrafe, im Falle der Uneinbringlichkeit eine Ersatzfreiheitsstrafe von 160 Stunden.

Bekämpft – gewonnen

Olivia Lerch, Anwältin der Radfahrerin, erhob Beschwerde beim Landesverwaltungsgericht und gewann. Ihre Mandantin muss die Strafe nicht bezahlen. Die verschiedenen Zeugenaussagen waren zu widersprüchlich und ungenau. Zunächst hatte beispielsweise einer der Beamten gesagt, der Lebensgefährte hätte unaufgefordert angegeben, dass seine Freundin gefahren sei. Im Laufe des Verfahrens kam es aber doch zu Unsicherheiten, auch weil am Unfallort nicht näher auf die Ursache des Sturzes eingegangen wurde und der genaue Wortlaut nicht erinnerlich war. „Es konnte nicht nachgewiesen werden, dass meine Mandantin mit dem Fahrrad gefahren war“, freut sich Lerch über den Verfahrensausgang. Da der Unfallhergang somit ungeklärt blieb, entschied das Gericht zugunsten der Beschuldigten und räumte ein, dass man keine Verwaltungsübertretung nachweisen könne. Das Erkenntnis ist mittlerweile rechtskräftig geworden.