Ausziehen, sofort!

Vorarlberg / 28.08.2016 • 19:52 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Frankreich greift hart durch. Seit ein paar Tagen ist das Tragen von Burkinis an vielen französischen Stränden untersagt. Das oberste Verwaltungsgericht hat dieses Verbot zwar für unrechtmäßig erklärt, doch etliche Gemeinden halten eisern an ihrer Entscheidung fest.

 

Ganz aktuell kursiert im Internet ein Schnappschuss von vier mit Schlagstöcken bewaffneten Polizisten, die eine irgendwo an einem französischen Strand liegende Frau auffordern, ihr langärmliges Oberteil auszuziehen. Ganz im Sinne unserer westlichen Werte natürlich. Aber egal, wie lange ich dieses Foto betrachte, ich schaffe es einfach nicht, es als ein Symbol der Verteidigung von Demokratie und Freiheit anzusehen. Im Gegenteil, es macht mich wütend, ja, richtig wütend!

 

Nach Nizza ist die Angst vor islamistischen Angriffen groß. Und so werden mögliche Vorzeichen auch heiß diskutiert. Die Fragen, die der Burkini aufwirft, sind aber keine Fragen von Terror und Gewalt. Sicher, die Gegenargumentationen sind nachvollziehbar. Der weibliche Körper ist schließlich nichts Unzüchtiges, das bedeckt werden muss. Diese Strandbekleidung ist aber auch nicht der Inbegriff der modernen terroristischen Bedrohung. Nein, es ist ein Badeanzug mit längeren Armen und Beinen und einer Badehaube.

 

Fünfzig Jahre nach der Diskussion um Minirock und High Heels wird die Sicherheit der Gesellschaft also wieder anhand eines Kleidungsstücks debattiert. Wieder rücken Frauen und ihre Körper ins Zentrum dieser Debatte. Und wieder, so der aktuelle politische Duktus, scheint es der naturgegebenen weiblichen Naivität geschuldet, dass wir Frauen uns dieser tückischen Gefahr nicht bewusst sind. Diesmal der des radikalen Islams. Ehrlich, ich habe es satt!

 

Lasst das! Hört auf, uns Frauen und unseren Kleidungsstil für den Frieden Europas und der Welt verantwortlich zu machen! Und kümmert euch doch bitte schön um das, worum es hier wirklich geht. Nämlich, das gefährliche Sandkastenspiel des, Entschuldigung, männlichen Staatsoberhauptes Recep Tayyip Erdoğan. Und gebt uns Frauen endlich die Macht und Position, tatsächlich politischen Einfluss auf die Gesellschaft der Zukunft nehmen zu können. Seid mutig, traut euch! Es kann mit uns nur besser werden!

Wieder rücken Frauen und ihre Körper ins Zentrum dieser Debatte.

amanda.ruf@vorarlbergernachrichten.at
Amanda Ruf ist Geschäftsführerin des Vereins Amazone.