Sehr viele Wege führen zum Buch

Vorarlberg / 29.08.2016 • 20:03 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Es gibt viele Aktionen, die Kinder fürs Lesen begeistern sollen. Die „Buch am Bach“ zählt dazu. Foto: VN/Steurer
Es gibt viele Aktionen, die Kinder fürs Lesen begeistern sollen. Die „Buch am Bach“ zählt dazu. Foto: VN/Steurer

Speed-Reading, Buchstabierwettbewerb, Schulbibliotheken: Wie Kinder zu Leseratten werden.

Bregenz. (VN-mip) Getestet wird genug: Ob Pisa, Känguru oder „Bildungsstandards“, die Leistungen der Schüler werden regelmäßig überprüft und verglichen. Mit gleicher Regelmäßigkeit folgt der Veröffentlichung des Ergebnisses ein Aufschrei. Zum Beispiel im April dieses Jahres: Vier von zehn Volksschülern der vierten Klasse können nicht sinnerfassend lesen, berichteten zahlreiche Medien. An den Schulen wird schon einiges getan, um die Kinder zum Lesen zu animieren, erklärt Kurt Benedikt, Lesekoordinator des Landes und selber Lehrer an einer Mittelschule. Allerdings gäbe es noch viele weitere Möglichkeiten, die Lesefähigkeiten zu verbessern.

Die gute Nachricht: Noch nie wurde so viel gelesen wie heute. Sprache ist mehr denn je in Verwendung. Ob auf dem Handy oder am Computer, beim SMS schreiben oder beim Computer spielen. Allerdings ist im deutschsprachigen Raum die Lesezeit im Unterricht kürzer als in anderen Ländern. Es wird jedoch versucht, die Lesezeit in der Volksschule zu erhöhen.

Das Ziel sollte jedenfalls sein, dass die Schüler in der Mittelschule Textsorten unterscheiden können, führt Kurt Benedikt aus: „Für jede Textsorte entwickelt man Strategien. Eine Bedienungsanleitung liest man anders als einen literarischen Text.“ Deshalb sei es wichtig, dass bereits in der Volksschule ein großes Repertoire an Texten gelesen wird. „Denn in der Mittelschule wird momentan viel zu viel vorausgesetzt. Zum einen, dass ein Schüler Texte zusammenfassen kann, zum anderen, dass er unbekannte Wörter erklären kann“, führt Benedikt aus. Es sei erwiesen, dass Kinder, denen mehr als fünf Prozent der Wörter in einem Text unbekannt sind, Probleme beim sogenannten Sinnverständnis haben.

Dagegen gibt es einige Übungen, die an vielen Vorarlberger Schulen bereits praktiziert werden. Zum Beispiel kooperative Leseverfahren. Kurt Benedikt erklärt: „Wer acht Wochen lang drei bis vier Mal in der Woche zwischen zehn und 15 Minuten in der Gruppe laut vorliest, erreicht sehr viel.“ Die Vielfalt an Texten und damit an verschiedenen Wörtern verbessere sowohl Wortschatz als auch Automatismen.

Weitere Lesetrainings
sind Buchstabierwettbewerbe, wie sie aus amerikanischen Filmen bekannt sind, und Speed-Reading-Wettbewerbe. Eine Art Wettkampf, bei dem in der Gruppe abwechselnd laut vorgelesen wird. Durch den Wettbewerb sind Erfolge schnell spürbar, was die Motivation steigen lässt. Auch die Bibliotheken an den Schulen spielen eine große Rolle. Viele Schüler entdecken ihre Lust auf Bücher, indem sie ohne Zwang schmökern können. Andere kommen über Theaterspiele mit der Sprache in Berührung. Auch Veranstaltungen wie die Kinder- und Jugendbuchmesse „Buch am Bach“ der VN oder der Vorarlberger Lesetag sollen dazu beitragen, die Begeisterung für die Sprache zu wecken.

Schon zu Hause kann viel erreicht werden. „Eltern spielen eine große Rolle. Kinder lernen Texte zu verstehen, wenn sie mit anderen über das Gelesene diskutieren können“, erklärt Kurt Benedikt. Also: Ran an die Bücher.

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